Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 165 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 161) stachelung gerben eine wehrlose Minderheit hat mau nur die schlimmsten Instinkte der Massen geweckt, die Unzufriedenheit der Minderbegüterten gesteigert; weit über die Inden hinaus sind die Giftpfeile geflogen nnd haben Wunden erzeugt, die schwer heilen werden. Indem man der Wühlarbeit der Antisemiten ruhig zusab, ist bei vielen die Achtung vor der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung und das Vertrauen zur Rechtspflege untergraben worden; indem man behufs Bekämpfung der Juden und des Judentums das Alte Testament herabwürdigen ließ, - ermunterte man auch zu Angriffen auf den gesamten Bibelglauben und alle semitischen Heilswahrheiten. Die Folge war die Erneuerung der indogermanischen Vergötterung der Naturkräste, des arischen meteorologischen Götzendienstes, also der Beginn der Zerstörung einer tausendjährigen semitischen Kulturarbeit. Daß man jetzt in einzelnen wissenschaftlichen Kreisen, welche die Bedeutung dieser Kulturarbeit würdigen, den Versuch macht, sie nicht mehr auf die Bibel zurückzusühren, ist ein Gegenstand, mit dem sich die Fachgelehrten beschäftigen mögen; bedeutsam ist aber jedenfalls, wie begierig die antisemitischen Aufwiegler sich dieser Doktorsrage bemächtigen, um daraus den Schluß zu ziehen, nun sei das Alte Testament endgiltig abgetan. Die antisemitische „Hochwacht" schreibt: „Für uns Antisemiten aber, die wir stets dem Alten Testamente gegenüber uns ablehnend verhalten haben, enthalten die Enthüllungen von Babylonien eine willkommene Rechtfertigung." Dagegen lehnt sich sogar die „Kreuz-Zeitung" in einem Artikel aus, den sie mit der Ueberschrift „Antisemitischer Unfug" ansührt, trotzdem man ihr wohl selbst manchen Unfug Nachweisen könnte, der, wenn auch anderer Art, doch sicher antisemitisch war. J.tzt sagt sie: „Ganz besonders unlauter ist in dem Artikel die Methode, daß die Autorität des Kaisers gemißbraucht wird, um den Angriff gegen das Alte Testament zu stützen. Aus dem Anhören des Vortrags seitens des Kaisers wird gefolgert, „daß der christlich gefinnnte Monarch in dem Wegfall der althebräischen, den Babyloniern entlehnten Legenden keinerlei Einbuße für den Bestand des Christentums erblickt." — Dann fährt das fromme Blatt fort: „Wie wird durch derartige Artikel die Tatsache bestätigt, daß zwischen der christlich-konservativen und der antisemitischen Partei eine tiefere Kluft besteht, als mancher zugeben will. Es bleibt dabei: „Ihr habt einen anderen Geist." Diese Erkenntnis sollte und müßte sich in allen Kreisen der Anhänger der „Kreuz-Zeitung" Bahn brechen, wenn sie nicht durch Klaffen- und Glaubenohaß und durch Juteressenpolitik verblendet wären. Man kann mit diesen Leuten deshalb kaum streng richten,