Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 163 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. m erfolgreich kandidieren. Ilm dies zu verhindern, hat Herr Wilhelm Bruhn alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den am 8. Februar in Friedeberg veranstalteten „Antisemitischen Parteitag für Ostdeutschland" zu einer Reklame für seine Wahl zu gestalten; er hatte sogar zu diesem Zweck auch als Sensations-Nummer den dortigen Wählern den zweifelhaften Genuß eines gepfefferten Pückler-Vortrages verschaffen wollen. Die Behauptung Bruhns, daß sein Gegenkandidat nicht von dem konservativen Wahlvereine, sondern nur von dem Wahlkreisvorsitzenden des Bundes der Landwirte, Wendorff, empfohlen werde, erscheint abe nicht zutreffend. Ebenso wie Wilhelm Bruhn, macht der bekannte Pastor Krösell, der sich um das Mandat des Kreises Pyritz - Saatzig bewirbt, darauf Anspruch, als „konservativer Kandidat" zu gelten. Jetzt aber, wo die von diesem Ritualmord-Märchen-Vertreter auf den Dörfern Hinterpommerns ausgesäete „wissenschaftliche" Saat in die Halme schießt, erkennen die Konservativen zu spät, daß die von ihnen mit geförderte Säearbeit ihnen nicht zugute kommt. Am 24. Januar hat in Pyritz unter dem Vorsitze des Oberst a. D. v. Saldern-Ballenthin eine vom konservativen Verein einberufene Wählerversammlung stattgefunden, die von etwa 600 Personen besucht wurde und überaus stürmisch verlief. Der Bericht des Freiherrn v. Wangenheim wurde zwar beifällig ausgenommen, aber die Erklärung des Landtagsabgeordneten Wandhausen - Klützow, auf die Reichstagskandidatur zu verzichten, mit den Rufen „Krösell! Krösell!" beantwortet. In einer langen agitatorischen Rede verlangte dieser von dem Vorsitzenden als Reichstagskandidat proklamiert zu werden, „weil er frei von jeder Furcht vor Juden sei und noch mit neun Juden wegen Beleidigung im Prozeß stehe". Der Vorsitzende wies trotz der Heilrufe der Kresell'schen Anhängerschaft die Zumutung des Herrn Pfarrers Zurück und der Abgeordnete von Wangenheim machte den sonderbaren „Talmudforscher" darauf aufmerksam, daß die Art seines Auftretens ihn kaum geeignet erscheinen lasse, als konservativer Kandidar aufgestellt Zu werden. Inzwischen haben die Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte der Reichstagskandidatur des konservativen Oekonomierars Nicolai-Wulkow zugestimmt. Von 230 Vertrauensmännern beteiligten sich 190 an der Abstimmung, von denen 184 mit ja und 6 mit nein stimmten. Der Reichstagskaudidat kennzeickmete vor zahlreich besuchter Versammlung in Pyritz seinen politischen Standpunkt. Jnstizrat Aulig und Gymnasialdrrektor vr. Wehrmann ermahnten Zu einmütigem Zusammenstehen und zum Eintreten für die Kandidatur Nicolai. Dazu bemerkt die „Staatsbürger-Zeitung":