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Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 143

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
Die kaufmännische Ehre bei den Juden
Date
1903-02-01
Page
143 (sequence 15)
Language
German
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Die kaufmännische Ehre bei den Juden- 143 heute „ohne Unterschied der Konfession", davon auch nur ein Wort zu reden, hieße ihr Verdienst verdunkeln. Als 1680 Wilhelm von Oranien seinen Zug gegen England unternahm, fand sich nur ein Bankier, der zu dem waghalsigen Unternehmen Geld hergab, es war Jsak Lopez Suasso. Und als der Prinz über Zinsen und Sicherheit verhandeln wollte (es handelte sich um die Kleinigkeit von 2 Millionen Gulden), da gab ihm Suasso zur Antwort: „Sind Sie glücklich, so bin ich überzeugt, daß die Summe mir zurückerstattet wird, sind Sie unglücklich, nun dann soll sie für mich verloren sein." Diese heroische Tat berichtet als ein Muster edelster Untertanentreue ein Memoirenschreiber, der Ihnen allen bekannt ist. Allein dieser Memoirenschreiber hat daraus leider keine Nutzanwendung gezogen. Die Geschichte nennt ihn — Friedrich den Großen. In der großen Hungersnot 1816 suchte Kaiser Franz bei einigen Wiener Bankiers eine Privatanleihe aufzunehmen, um die schreckliche Not des Volkes in etwas zu mildern. Es fand sich nur ein jüdischer Bankier bereit, der lieh die 300 000 Silbergulden auf unbestimmte Zeit und erklärte ausdrücklich: „Da der Kaiser das Geld aufnimmt, um der allgemeinen Not zu steuern, so leiste ich auf jede Verzinsung Verzicht." Nach dreiviertel Jahren erhält er das Geld zurück und es wird ihm bedeutet, daß man an seine Erhebung in den Adelsstand denke. Doch der Jude erbittet sich eine andere Gnade, die Gunst, im Lande bleiben zu dürfen. Denn er weiß sehr wohl, auch der Adel schützt den Juden nicht vor der Gefahr, eines Tages heimatlos zu werden?) Vor einiger Zeit hat Ehrenberg, Professor an der Universität Rostock, uns wichtige Daten mitgeteilt über das Handelshaus, welches feit nunmehr fast einem Jahrhundert den Höhepunkt jüdischer Handelstätigkeit bezeichnet, über das Haus, dem u. a. Oesterreich seine erste Eisenbahn und den Lloyd zu danken hat, das Haus Rothschild. Wären es hier nicht Akten, die reden, staatliche Akten, wir könnten nicht glauben, mit welcher Uneigennntzigkeir dieses Haus im Morgenrot des 19. Jahrhunderts so manchen Großstaat vor dem Bankerott gerettet hat. Rührend ist die Freundschaft, die Roter, der Vertreter Preußens, mit den Rothschilds schließt. Ja, diese Freundschaft, die Bewundemg *) Manoel Tereira schenkt das Kupfer für den Bau der 'großen Michaeliskirche (Hamb. Staats-Archiv Vol. IS L. 2 a 4 bei Grunwalds, Portugiesengräber).

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