Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Die kaufmännische Ehre bei den Juden
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 141 (sequence 13)
- Language
- German
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Die kaufmännische Ehre bei den Juden. 141 Karl LamprechL betont, daß gerade in dieser Zeit die Juden durch Einführung eines festen Finanzsystems zur Bildung von Territorien wesentlich beigetragen und somit die Grundlagen zur deutschen SLaatenbildung mitgeschaffen haben. Die Juden sehen wir ans dem Geldgeschäft verdrängt und an ihre Stelle traten die Fugger, die Welser, die deutsche Hansa. Daß mit diesem Wechsel der Akteure gleichzeitig eine Hebung der kaufmännischen Moral und eine größere Förderung des allgemeinen Volkswohls stattgefunden, wagt kein besonnener und objektiver Geschichtsschreiber zu behaupten. Was zunächst die Hanseaten angeht, so haben sie die nordischen Länder, besonders Skandinavien und England, derart ausgebeutet, daß die erste Regung der Selbständigkeit jener nordischen Völker sich darin äußert, daß sie die deutschen Kaufleute aus dem Lande treiben. Von den Welfern hören wir, daß sie selbst die notwendigsten Lebensmittel monopolisiert und Kornwucher gemeinster Art getrieben haben. Lucas Rem erzählt in seinem Tagebuche, wie er 18 Jahre lang für die Welser Gut und Blut in die Schanze geschlagen. Als er aber, wie er sich ausdrückt, „die Büberei der Herren" entdeckt, da kündigt er und wird sang- und klanglos vor die Tür gesetzt. An solchem Handel haben sich auch hohe deutsche Herren beteiligt. Ich rede nicht von dem Sklavenhandel der deutschen Fürsten im 18. Jahrhundert, die mit dem Leben ihrer Unterthanen Geschäfte machten, sondern ich rede von jenen Monopolgeschäften, an denen sich unter anderen auch der Kurfürst von Sachsen, August der Starke, beteiligt hat. Nun, die Fugger haben dafür gesorgt, daß im Volksmund fnggern und wuchern identisch wurde. Sie haben sich aber nicht mit Kleinigkeiten abgegeben. Als der Ablaßkrämer -Tetzel die deutschen Lande durchzog, da begleitete ihn ein Kommis der Fugger, der jeden Ablaßpfennig sogleich mit Beschlag belegte. Die Kirche hatte den Fuggern das Ablaßgeld verpfänden müssen. Und als die Kurfürsten zwischen Franz von Frankreich und Karl von Spanien entscheiden sollten, erhielten diese hohen Herren von Frankreich nicht unbeträchtliches Douceur erhielten, eine Sitte, die sich mit dem Furor teutomeus sehr wohl zu vertragen scheint, aber noch genauer wissen wir, was vom stolzesten Kurfürsten bis zum kleinsten Schreiberlein diese Vertreter der deutschen Ehre von Karl bekamen. Diese Einnahmen sind gebucht bis heute erhalten; denn der sie auszahlte, das war ein genauer Rechner und gewiegter Kaufmann. Die Fugger haben Karl die Kaiserkrone gekauft, und ohne Scheu erinnert Fugger gelegentlich. den deutschen Kaiser: „Majestät wissen ja, wem sie die Krone zu danken habend