Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Die kaufmännische Ehre bei den Juden
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 139 (sequence 11)
- Language
- German
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Die kaufmännische Ehre bei den Juden. 139 hatte auch genug von ihm gelernt, um ihn entbehren zu können. So wurden die lästigen Konkurrenten sehr einfach beseitigt. Sie wurden totgeschlagen, die Ueberlebenden degradiert. Das ist das wahre und wichtigste Motiv jener arisch-germanischen Glaubenshelden. So war das Ende des jüdischen Großhandels im deutschen Mittelalter gekommen. Die Synagoge verliert Krone und Banner. Diese Not des Juden wußten nun die Bischöfe und Fürsten weidlich auszubeuten, sie machten ihn Zur Steuerschraube wider Willen. Ich sage wider Willen, denn der Jude war durchaus leibeigen, willenloser Sklave und, ohne Sippe und Blutsverwandtschaft in einer fremden Umgebung, einzig und allein auf den Schutz und die Gnade feiner Herren angewiesen. So kam es denn, wie es kommen mußte. Die Fürsten zwangen den Juden, Geld zu haben; das Volk erschlug, als es der Herren Joch zu sprengen begann, die Juden eben um des Geldes willen. Der schwarze Tod war der Vorwand, nicht die Ursache der grausigen Judengemetzel des 14?Jahrhunderts, die den Juden aus Jahrhunderte hinaus auf das niedrigste soziale Niveau hinabgeschleudert haben. Und nun sehen wir uns einmal diesen jüdischen Wucher ein wenig näher an. In Basel, einer Stadt, in der die Juden eine höchst wichtige wirtschaftliche Rolle spielten, und die wie Nürnberg und andere Städte seit der Judenvertreibung nicht wieder ganz sich hat erholen können, in Basel in der Kathedrale hat Hans Holbein den Totentanz gemalt. Er bringt einen jüdischen Kaufmann, aber der Wucherer, den er zeichnet, ist ein Christ. Hans Holbein verschmäht es auch nicht, was bisher wohl wenig bekannt ist, zu einem Buch des Rabbiners Jakob Weil, einem Buch über das Schächten, die Titelvignetten zu Zeichnen. Sebastian Brant, der Verfasser des Narrenschiffes, der beißendste Satyriker seiner Zeit weiß den Juden nichts nachzufagen. Er schilt aber den christlichen Wucher. Er sagt: „Denn Mönche, Mäuse, Motten, Maden, die scheiden selten ohne Schaden." Und wie arg kann der Wucher der Juden gewesen fein, wenn dem Volksmunde damals geläufig das Sprüchlein wurde: „Wer sagt, daß Wucher Sünde sei, der hat kein Geld, das glaube frei'? Aber kaum sind die Juden aus der Stadt vertrieben und an ihre Stelle christliche Geldverleiher, ja städtische Pfandleihmstitute getreten, da beginnt allerorten ein unaufhörliches Klagen und Jammern über den .Wucher, und wie oft steht man sich genötigt, die Juden zurückzurusen, um sich der christlichen Wucherer zu erwehren?) *) Hierauf weist noch 1848 zu Gunsten der Juden hex Rat von Hamburg hin. (Hamb. Staats-Archiv.)