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Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 138

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
Die kaufmännische Ehre bei den Juden
Date
1903-02-01
Page
138 (sequence 10)
Language
German
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138 Im deutschen Reich. das beißt auf gut hochdeutsch: 100 Prozent und darüber war der gewöhnliche Verdienst; denn dieser gute Gerhard bildet die Regel, nicht die Ausnahme. Aber weiter finden wir nun in jenen Gesetzen das ganze Sündenregister, welches unsere Feinde immer wieder dem jüdischen Schacher aus Rechnung setzern da hören wir von Betrug in Maß und Gewicht, von Betrug beim Pferdehandel, von Münzfälschung, von Ausstreuung falscher Kriegsnachrichten im Dienste des Kornwuchers, von Veruntreuung der Depositen, ja, es ist kaum zu glauben, von Betrug im Handel mit alten Kleidern?) Aber mit einem Schlage ändert sich das Bild. Mancher von Ihnen hat vielleicht einmal vor dem Straßburger Münster gestanden. Da sieht man am Südportal zwei lebensgroße Frauengestalten. Die eine zeigt die Haltung der Siegerin, die andere verliert Krone und Banner, ihre Augen sind verbunden. Sie stellt die besiegte Synagoge dar, jene die triumphierende Kirche. Dieses Motiv, der Streit der Kirche und Synagoge, läßt sich bis in die Anfänge der christlichen Kunst zurückverfolgen, aber überall stehen die Gegnerinnen einander völlig ebenbürtig gegenüber. Eine Wandlung zu Ungunsten der Synagoge, des Judentums, eine Wandlung, deren Höhepunkt jene Szene am Straßburger Münster darstellt, tritt erst ein genau mit dem Beginn der Kreuzzüge. Dieses Bild ist gleichsam ein Petrefakt des erwachenden Judenhasses. Diese Wandlung hat man bisher durch das Auflodern des religiösen Fanatismus erklären wollen. Doch der wahre Grund liegt tiefer. Die Kirche hatte ihren Gläubigen das Geldgeschäft verboten, aber nicht etwa aus religiösen Bedenken, sondern Aristoteles, der Abgott der Scholastik, hatte sich gegen das Geldgeschäft erklärt, und die Kirchenlehrer folgren seinem Beispiel. Die Bischöfe, die Herren der Städte, suchten also, da sie selbst und ihre christlichen Bürger den Vorwurf des Wuchers meiden mußten, außerhalb der Christenheit nach einem, aus den sie dieses Odium abwälzen konnten, ohne darum doch in ihren Einkünften geschmälert zu werden, und sie fanden, d. h. sie zwangen sich finden Zu lassen — den Juden. Zur selben Zeit war nämlich durch die Kreuzzüge ein einheimischer deutscher Handelsstand wachgeworden. Der Luxus hatte enorm zugenommen. Es gab viel zu verdienen, und wo es leicht zu verdienen gab, da hat man mit dem Juden nicht teilen wollen. Man y S. Freund Leonhard, Lug und Trug unter den Germanen, Berlin 1863 (Verlag der kgl. geh. Ober-Hofbuchdruckerei R. Decker), S. 106, 112, 131, 147, 198, 214, 231 n. sonst.

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