Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Die kaufmännische Ehre bei den Juden
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 133 (sequence 5)
- Language
- German
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Die kaufmännische EhreHei den Juden. 133 sind es die EquiLes, die römischen Ritter, die sich zu Gesellschaften zusammenschließen und vom Staat alle, aber auch alle Einkünfte in Pacht nehmen. Diese Einkünfte wurden, um die Aufstellung eines Budgets zu ermöglichen, jährlich aus dem Forum öffentlich versteigert, und man begann mit den Einkünften aus dem Lucriner See, weil das als ein günstiges Omen für eine lukrative und ausgiebige Auktion galt. Wir begegnen in Rom auch merkwürdigen Typen von Junkern und Agrariern, die in einer Person zugleich Schlotbarone und Gärtner an dem Giftbaum der Börse sind. Selbst die Regierung, selbst die kaiserliche Familie beteiligt sich in rührender Einmütigkeit mit dem Adel an finanziellen Unternehmungen. Cato, der sittenstrenge Cato, römischer als jeder andere Römer, sagt offen und ehrlich': „Geld verdienen ist die erste Aufgabe des Menschen; der Handel, wäre er nur nicht manchmal so gefährlich, ist an sich ein guter Erwerb, und auch der Wucher ist es, wäre er nur nicht so anrüchig". Und doch, gerade in der Sprache der stolzen Roma ist es geprägt, ja gerade von Vespasian, dem blutigen Bezwinger Judäas, geprägt und durch ihn unsterblich geworden, das böse Wort „non ölet”, das Geld ist nicht anrüchig, es plaudert nicht aus, woher es kommt. Es ist ein Moment von völkerpsychologischer Bedeutung, daß im römischen Pantheon ein Gott thront, der Zugleich der Gott der Kaufleute und der Diebe ist, und dieser Gott Merkur, den der Römer verwandter Züge wegen mit dem nordischen Odhin in eins setzt, dieser Merkur war, wie Tacitus in der Germania berichtet, der Hauptgott der Germanen. Wie würde Houston Stewart Chawberlain aus solchen Tatsachen seine Raffeutheorie gestalten! Gestatten Sie mir nun eine merkwürdige und hochbedeutsame Wahrnehmung. Derselbe Tacitus, der doch sonst au den Juden nicht ein gutes Haar läßt, und alle die römischen Satiriker, die mit beißendem Spott den Wucher der Römer geißeln, von dem Wucher, dem unlauteren Geschästsgebahren der römischen Juden wissen sie nichts zu berichten. Und noch schärfer und überraschender tritt das hervor in der Geschichte des Handels im christlichen Mittelalter. Das römische Reich in seiner vollen Machtentfaltung rings um das Mittelmeec stellt sich uns dar als ein ungeheures Freihafengebiet. Es genügt der Hinweis, daß unter dem Kaiser Claudius eine kommerzielle Gesandtschaft aus Ceylon in Rom erscheint und unter Mare Aurel römische Legaten am Hofe des Kaisers von China ihren Kotau machen.v) Dieses farbenprächtige Bild geht in Trümmer 1) Humboldt, Alexander v., Kosmos II 22!.