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Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 132

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
Die kaufmännische Ehre bei den Juden
Date
1903-02-01
Page
132 (sequence 4)
Language
German
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182 Im deutschen Reich. macht, wieviel von meinem Betriebskapital mir und wieviel anderen gehört. Reich bin ich freilich, wenn ich weine Gläubiger nicht bezahle", — und er zieht es vor, reich zu sein. Wir finden im Altertum auch schon den Typus Terlinden, den Typus jener fixen Gesellen, die im rechten Moment verduften und in einem Weltbad, wie Bajä, das gestohlene Geld, statt in sicheren Aktien einer arischen Bank, in Austern und Wein anlegen. Es ist kein Wunder, wenn die Unehrüchkeit des Kaufmannes geradezu zum Sprichwort wurde. Es gab bei Athen einen eigenen sogenannten „Diebeshasen" für die Schiffe, die den Staat um den Zoll prellten, in Athen selbst einen „Lügenmarkt", wo man gestohlene Sachen sehr billig, fast „zum Selbstkostenpreis" feilbot. Gelogen wurde schon an der arischen Börse der Athener, falsche Börsengerüchte bewirkten eine künstliche Verteuerung der Lebensmittel. Sie alle kennen die dunklen Ehrenmänner in Shakesspeares „Timon von Athen". So ist denn Odysseus geradezu entrüstet, daß ihn die Phäaken für einen Kaufmann halten. So niedrig wurde dort die Ehre des Kaufmannes eingeschätzt. Demosthenes, der erste Mann seiner Zeit, sagt in seiner Rede gegen Phormion, einen Großhändler Athens: „Ein betriebsamer und dabei ehrlicher Kaufmann ist ein Wunderding". Und immer wieder bis in die Neuzeit wird jenes wegwerfende Urteil wiederholt, welches Plato über den Handel gefällt hat. Und doch, auch Plato hat nebenbei manch Geschäftchen gemacht. Seine Reise nach Egypten soll er nur unternommen haben, um dort sein Oel loszuwerden. Er mußte also doch die Praxis des griechischen Kaufmannes aus eigenster Erfahrung kennen. Und das ist Griechenlands idealster Denker. So steht es um die kaufmännische Ehre an jenen Statten, die dem Arier der Nimbus unsterblichen Geistesadels verklärt. Und nun gar Rom! Da setzt die Geschichte sogleich mit einem Wucherskandal ein. Die Bauern sind durch die beständigen Kriege mit den Sabinern, Latinern und anderen Nachbarn so verarmt, daß sie sich rettungslos in die Hände der Wucherer geliefert sehen. Es kommt zur offenen Spaltung, zu jener ersten „Sezession", welche Menenius Agrippa durch die bekannte Fabel von dem Streit der Glieder mit dem Magen geschlichtet haben soll. Mit der Ausdehnung der römischen Herrschaft sehen wir Kapitalisten aus Rom in die Provinzen, selbst in die kleinsten Städte wandern, das Leihgeschäft wird geradezu Monopol des römischen Bürgers und nicht nur des Bürgers, sondern auch des zarten Geschlechts. Die römischen Frauen.haben, das ist bekannt, ihre eigenen Männer ausgewuchert. Und vor allem

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