Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 92 (sequence 12)
- Language
- German
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92 Im deutschen Reich. auch nichts über ihre Persönlichkeiten Günstiges oder Ungünstiges sagen, allein es muß doch auffallen, daß von 12 beförderten Leutnants gleich die Hälfte Juden sind." — Die an den Brief geknüpften weiteren Bemerkungen sind so sehr im Stile der „Staatsbürger-Ztg." gehalten, daß dieselben einem „bayerischen Reserveoffizier" kaum zuzutrauen sind. Am 5. d. Mts. verstarb hier die Tochter des Hof-Bankiers Kaiser Wilhelms I., Frau Baronin von Cohn-Oppenheim, der wenige Tage vor ihrem Hinscheiden der Titel „Excellenz" verliehen worden ist. Nach dem Znsammenbruch der Spielhagenbanken als Erbin ihres Vaters, der dem Aufsichtsrat der Banken angehört hatte, ersatzpflichtig gemacht, zahlte die Baronin v. Cohn an die Spielhagenbanken oder deren Rechtsnachfolger eine Abfindungssumme von 7 Millionen Mark. Anläßlich des Todes der um viele wohltätige Unternehmungen verdienten Frau hat der Kaiser durch seinen Flügel-Adjutanten Korvetten - Kapitän v. Grumme ein Blumen- Arrangement überreichen laffen. Der Großherzog von Baden, der Herzog von Anhalt und viele andere Fürstlichkeiten haben den hier wohnenden Verwandten telegraphisch ihr Beileid ausgedrückt. Die Trauerfeier wurde in Dessau im Rathause abgehalten, weil die Verstorbene die letzte Ehrenbürgerin Dessaus gewesen ist. In ihrem Testament hat die Baronin außer wohlthätigen Stiftungen auch den Kaiser mit 2 Millionen Mark bedacht. Auf die Erblasserin ist die „königstreue" „Staatsbürger-Zeitung" trotzdem sehr schlecht zu sprechen. Sie schreibt: „.Von woher sind denn jene sechzig Millionen Mark gekommen, die der Vater ihr vermacht hat? Vom Himmel sind sie nicht gefallen, und erarbeitet hat sie der Dessauer Hofbankier auch nicht. Durch Börsenspekulationen aller Art ist das Geld den schaffenden Ständen des deutschen Volkes entzogen und in die Geldsäcke des jüdischen Barons geleitet worden. Wenn jemand von den auf diese Weise zusammengerafften- Millionen einige Pfennige zu Wohltätigkeitszwecken abgibt, so ist da von edlem Wohltätersinn überhaupt nicht zu sprechen." — Das ist selbst dem „Vorwärts" zu arg. Er sagt darüber: „Die staatserhaltenden Elemente, welche den von uns erwähnten „Zeitungstrust" gegründet und die „Staatsbürger-Zeitung" gutgläubig darin ausgenommen haben, werden ob der hetzerischen, direkt gegen den Bestand der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteten Tendenz des hier abgedruckten Artikels sehr betreten sein." Der Verein Jüdischer Studenten ersucht uns, folgenden Bericht zu veröffentlichen: Zahlreiche Veranstaltungen, besonders der