Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
Berlin
Date
1903-01-01
Page
88 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316703-2330763--10548-2330928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

88 Im deutschen Reich. gelangte zu einem verurteilenden Erkenntnis, und zwar lautete dasselbe gegen Bauer aus 50 Mk. Geldstrafe und gegen Dr. Bachler auf 400 Mk. (300 Mk. wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Lewinsky und 100 Mk. für die Nichtaufnahme der Berichtigung). lieber eine am 7. Januar stattgehabte „Pückler-Versammlung in Berlin 80." berichtet das „Kleine Journal": „Der gemütvolle Hau-Aristokrat von Schlesiens Fluren hatte zu gestern Abend sein Auftreten in den Konkordiasälen ankündigen lassen. Wer Geschmack an politischer Ueberbrettelei findet oder sich einen vergnügten Abend bereiten will, der opfert die obligaten 20 Pfennige und geht hin. Daher war auch bald das Versammlungslokal überfüllt, und alles harrte in fieberhafter Spannung des beliebten gräflichen Humoristen, der bei seinem Erscheinen mit donnerndem Applaus begrüßt wurde. Nach einer kurzen Einleitung begannen der Herr Graf allsogleich mit seiner Produktion und fanden wie gewöhnlich bei dem verehrlichen Publiko verständnisvollste Anerkennung. Die vorgetragenen Kosenamen und Stilblüten waren von einer Urwüchsigkeit, daß einem oberbayerischen Holzknecht beim Anhören das Herz im Leibe gehüpft haben würde. Frau Baronin von Rothschild in Wien erhielt das Prädikat „olle Gaake" zuerkannt. Vom Berliner Rathause sagten der Herr Graf, es wimmele dort von krummbeinigen, großnastgen Asiaten. Dem roten Manasse wurde prophezeit, daß er sich binnen kurzem im Berliner Straßendreck wälzen würde, usw. Zum Schluß, als ein furchtbarer Klapphornvers den Vortrag krönte, geriet das blaue Blut des Auftretenden in besonders heftige Wallung, seine mit seltener Lungenkraft in den Saal geschmetterten, von einer eindrucksvollen Mimik begleiteten Reime lösten Beifallsorkane aus. Die Arrangeure des fidelen Abends können zufrieden sein; denn das eingekommene Sümmchen dürfte von angenehmer Rundung gewesen sein, und Geld ist ja, wie der Vorsitzende betonte, für die antisemitische Bewegung die Hauptsache." — Vor dem Schöffengericht kam am 8. Januar die Privatklage des Gastwirts Etter zu Hauptwiel gegen den Grasen Pückler zur Verhandlung. Letzterer hatte am 6. Juni v. Js. in einem öffentlichen Vortrage erzählt, daß er im Gasthof „Zum Löwen" in Hauptwiel beinahe durch eine vergiftete Suppe ums Leben gekommen wäre. Er habe sich mit dem Gastwirt und einem anderen Manne zu Tisch gesetzt. Der Gastwirt habe einen scheußlichen Eindruck gewacht; der Kerl habe in jeder Beziehung eine Verbrecherphysiognomie gehabt. Neben ihm habe ein Judenbengel gesessen; solches Gesindel laufe ihm ja immer nach, wo er auch gehe und stehe. Er habe sofort nach dem ersten Löffel Suppe gemerkt/

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.