Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 Im deutschen Reich. für unerläßlich. Zu der neuen Verhandlung sollen Ewald, Tuhauer und der Hofprediger Stöcker selbst geladen werden, ferner die Akten Witte contra Stöcker und die stenographischen Berichte über die Reichstagssitzungen vom 22. November und 10. Dezember 1880 beigebracht werden. " Die Akten des Ermittelungsverfahrens in der Meineidsfache gegen Stöcker, deren Beibringung ebenfalls beantragt war, find nach einer Auskunft der Staatsanwaltschaft zu Berlin bereits vernichtet. Daß der Dichter von „Heerohme", Zosef Laufs, sich auf eine an ihn gerichtete Bitte sofort bereit erklärte, die Bezeichnung des „Spier" als „Schächter und Beschneidet aus der Personenliste künftig in Wegfall zu bringen, gleichzeitig aber bemerkte, daß nichts ihm verhaßter sei, als das unleidliche Treiben des Antisemitismus, hat die „Staatsb.-Ztg." gewaltig verschnupft. Sie schreibt wörtlich: „Herr Lauff scheidet für uns aus der Reihe der wirklich deutschen Dichter aus. Das deutsche Volk wird über ihn zur Tagesordnung übergehen, und wenn er glaubt, mit feiner Tendenzdichterei eine deutsche, aus dem innersten Wesen des deutschen Volkes herausgeborene Strömung Niederhalten zu können, so überschätzt er sich ganz bedeutend. Herr Laufs möge für die Juden schreiben, das deutsche Volk lehnt feine Dichterei ab." — Herr Lauff und feine Verehrer werden Mühe haben, das Lachen zu unterdrücken, wenn sie lesen, daß sich das Blatt Wilhelm Bruhns erdreistet, „im Namen des deutschen Volkes" zu sprechen. Deutschland wäre zu bedauern, wenn es keine andere Vertretung besäße! Unter der Überschrift „Beschimpfung der christlichen Religion" besprach die „Staatsbürger-Ztg." am 7. d. Mts. eine unter dem Titel „Dolorosa. Confirmo Te Chrysmate“ erschienene Gedichtsammlung, die sie obne weiteres als eine „jüdische" bezeichnte, und brachte dann als Schluß der Besprechung die aufreizende Bemerkung: „Mögen die Juden, wenn sie ihrer schmutzigen gemeinen Phantasie nun einmal die Zügel schießen lassen, doch die Synagoge und die jüdischen Einrichtungen zum Schauplatz ihrer Frivolitäten machen, dagegen wird niemand etwas haben; das christliche Volk verlangt Schutz gegen solche jüdische Gemeinheit". Drei Tage später mußte das Autisemitenblatt Nachstehendes aufnehmen: „Maria Eichhorn-Dolorosa sendet uns folgende „Berichtigung": „Unter Berufung auf § 11 des Paßgesetzes ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung: In Nr. 4 der „ Staatsbürger-Zrg." vom 3. d. Mts. befindet sich unter der Spitzmarke „Beschimpfung der christlichen Religion" ein Artikel über mein im Verlage von M. Lilien-