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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-01-01
Page
78 (sequence 9)
Language
German
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78 Im deutschen Reich. überreicht und chm dieselbe Ehre erwiesen wird, wie den antisemitischen Größen Adlwardt und Bruhn! Seine Erfolge reizen sogar zur Nachahmung; der „Ritt in's alte romantische Land," der dem Burgherrn von Klein-Tschirne so gut bekommt wie sein für Frömmigkeit geltender Mystizismus, glückt ihnen kaum, aber das ihm abgelauschte Erzählen von Gespenstergeschichten scheint ihnen ungefährlich. In der Versammlung des neuen nordöstlichen deutsch-konservativen Bürgervereins hielt der Schriftführer Ober - Telegraphen - Assistent Siebert bei einer Weihnachtsfeier im Pückler-Style eine Rede über den Niedergang Deutschlands durch den Materialismus, schilderte diesen in beweglichster Weise und sagte dabei: „Der deutsche Geschäftsmann wagt es kaum mebr, seine christlich-deutsche Gesinnung zur Schau zu tragen. Er muß Judensreundlichkcit heucheln oder Sozialdemokrat werden; nur so glaubt er noch seine Existenz fristen zu können (z. B. Herr Bruhn, der sich vielleicht mit schwerem Herzen durch Inserate von Baer Sohn, Isidor Heitinger und von einzelnen Banken forthilft! D. Red.) Drum deutsche Männer, im Glauben stark, bewaffnet eure Hand." Wie anders als solche „Pückler-Jeremiaden" und die schaurigen Verse dieser Schule muten uns die Worte Heinrich Heines an: „Deutschland hat ewigen Bestand; es ist ein kerngesundes Land mit seinen Linden, seinen Eichen!" Wenn heut' ein Geist herniederstiege, wie der Heines und Börnes, dann würde er wiederum mit ätzender Schärfe gegen das einzige Leiden vergehen, welches diesen sonst kerngesunden Volkskerper wiederholt angegriffen und dam geführt hat, daß Männer geächtet wurden, welche Deutschland über alles liebten und ihm nur bittere Arzneien reichten, um es von dem gefährlichen Banne einer ungesunden Romantik zu befreien. Heute begeistert man sich wieder für das Uebermenschentum eines Kleist'schen Grafen von Strahl, und ein Teil des Bürgertums gefällt sich sogar in der knechtisch-unterwürfigen Schwärmerrolle eines Körbchens von Heckbronn! Heute bewundert man wieder die Marterwerkzeuge der mittelalterlichen Folterkammer und begeistert sich für die Ruinen der Burgen jener Raubritter, welche den Bürger plünderten und den Bauer so lange unmenschlich mißhandelten, bis er in den Bauernkriegen blutige Vergeltung übte! Und der aus dem mittelalterlichen Moder wieder ewporgewirbelte Judenhaß verblendet weste bürgerliche Kreise und verwandelt freie Männer zu „Knechten, die zu uns zu Knechten machen helfen." Selbst unter den antifimitischen Schriftstellern finden sich aber einzelne, welche die dann verborgene Gefahr erkennen. In der Besprechung einer Aufführung des Schauspiels „Monna Vanna" sagte

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