Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 79 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 79 kürzlich der Feuilletomst der antisemitischen Dresdener „Deutschen Wacht" treffend: „Wenn es nur eine neue'Romantik wäre! Aber es ist die alte, bei der sie alle ankommen, Mystiker wie Naturalisten. Sei es nun die heilige Lidwina oder der arme Heinrich, die Luft des Mittelalters ist überall zu spuren. Und wir haben die alte Romantik doch schon einober zweimal gehabt; nur verstand man sich damals noch nicht auf den theatralischen Effekt, man blieb dichterisch oder wenigstens literarisch." Er hätte ruhig hinzusügen können, daß die auf das politische Leben übertragene mittelalterliche Romantik es ist, welche eine Lösung der Judenfrage im Sinne der Gerechtigkeit und Aufklärung so unendlich erschwert! In dem Prinzen Aloys Liechtenstein besitzt Oesterreich einen „vornehmen Aristokraten", der es in. Bezug auf grimmigen Judenhaß mit unserem Pückler ruhig aufnehmen kann, auch wie dieser ras Demagogentum nicht verschmäht, wenn er Gelegenheit nimmt, Arm in Arm mit den grobkörnigen Ritualmordmärchen-Fabnkanten Ernest Schneider sein Jahrhundert in die Schranken zu fordern. Diesen Mann zum Marichall des niederösterreichischen Landtags ernannt Zu sehen, war das Ziel der heißesten Wünsche der österrerchischen Antisemiten. Eine Abordnung der Landragsmehrheit trug aber vergeblich die bezügliche Bitte dem Minister-Präsidenten vor; die österreichische Regierung ernannte den Abt Frigdian Schmolk zum Landtagsmarschall, und wie immer, wenn die Regierungen sich dem antiseminscken Terrorismus gegenüber standhaft zeigen, gab sich auch die antrsemitische Mehrheit zufrieden. Die Eröffnungssitzung des Niederösterreichischen Landtags nahm einen so ruhigen Verlauf, daß von einer Spannung zwischen der antisemitischen Mehrheit und der Regierung nichts zu merken war. Am 8. Dezember sprach Prinz Aloys Liechtenstein in einer vom Wiener Vereine „Christliche Familie" veranstalteten großen Frauenversammlung, stellte dabei die Verhältnisse Galiziens, wo feiner Meinung nach die Christen' zu Leibeignen der Juden herabgesunken seien, als Warnung für die Wiener hin und schloß mit dem üblichen Refrain aller Geschäftsantisemiten: „Kauft nicht bei Juden!" Nach dem Prinzen Aloys, dem Pückler Oesterreichs, sprach der Prälat Br. Scheicher so, als hätte er die Absicht, Herrn Wilhelm Bruhn zu kopieren, indem er sagte: „Lassen Sie sich auch Ihre geistige Nahrung nicht mehr von Juden liefern; wir haben gute christliche Blätter." Da er nicht ein Abonnement auf die Berliner Staatsbürger-Z:g." empfahl, sondern vielmehr die christlich - sociale Presse, haben sich verschiedene österreichische Blätter dieser Farbe, u. A. z.Bdie „Tiroler Post,