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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 67

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
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Date
1903-01-01
Page
67 (sequence 5)
Language
German
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Verblendung. 67 storbenes von sich ausstößt. Ich betrachte es geradezu als eine Lebensbedingung für Israels daß krankhafte Elemente aus seinem Körper ausgeschieden werden. In allen Zeiten besaß der Lebensbaum Israels soviel urwüchsige Kraft, welkende Blätter, modernde Früchte, abgestorbene Reiser abzustrcifen, und so oft ein Sturmwind durch das altehrwürdige Geäste wetterte, wehte er die kranken morschen Teile in alle vier Windrichtungen — der Baum aber trieb um so kräftiger neues Geäste. Wir rechnen daher die Abtrünnigen nicht auf unser Verlustkonto. Gerade die beiden letzten Jahrzehnte sind die zitternden Zeugen des letzten gewaltigen Sturmes, den der Lebensbaum Israels zu überstehen hatte. Die negative Philosophie und die falsch verstandene Naturwissenschaft hatten faden flachen Materialismus gereitigt — und Israel, das allzu gelehrig alle Modetorheiten mitmacht, ward von der neuen Weisheit berückt und berauscht. Und da der Staat zudem noch eine Prämie auf den Abfall vom Judentums setzte, da er den getauften Juden die sonst verschlossenen Laufbahnen eroffnete, verließen Tausende den Väterglauben und leisteten den „kleinen Eid" än fremden Altären. Diese Tausende waren allerdings zum großen Teile „geistig und materiell potente," aber religiös und sirtlich angekränkelte Elemente. Sie hatten längst innerlich mit dem Judentum gebrochen, waren längst mit ihrem Gotte zerfallen; es waren wurmstictige Früchte, welche nur auf den Wind warteten, der sie von den Zweigen fegte. Wir sahen und sehen derartige Elemente ohne Bitterkeit aus unserer Mitte scheiden; kein Fluch wird ihnen von uns nachgesandt. Wir haben nichts an ihnen verloren, und das Christentum hat nichts an ihnen gewonnen. Glaubt aber die Judenmisston wirklich, daß ihr Bekennerkreis durch unsern Abfall eine Bereicherung erfährt? Das Schriftchen „Zeugen aus Israel" giebt auf diese Frage gelegentliche Antwort, die für unsere Täuflinge recht bedeutsam, aber wenig empfehlend ist. Wir hören, daß der eine fromme Held (da Costa) erst den Tod seines Vaters abwarten wollte (S. 7); der andere (Capadose) dagegen war so stark im Glauben, daß es ihn gar nicht kümmerte, daß durch seine Taufe seine Mutter auf's Totenlager geworfen wurde, so daß ihm sein Vater sagen durfte: „Das ist Dein Werk, Du bist der Mörder Deiner Mutter" (S. 3 6). Was kümmert Glaubenshelden der Tod einer so gleichgiltigen Person, wie es die Mutterist! Er tröstet sich durch den Anblick eines R genbogens und lebt in dem schändlichen sündhaften. Dünkel, daß Gott diesen Regenbogen gewölbt,

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