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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 68

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
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Date
1903-01-01
Page
68 (sequence 6)
Language
German
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Im deutschen Reich. 68 um ihn in seinem Vorhaben zu bekräftigen (das.). Ein dritter (Philippi) fürchtet die Enterbung als Folge seiner Taufe „und fühlte sich doch nicht stark genüge dieses Opfer zu bringen" (S. 35). Allerdings wird (S. 36) zum Tröste für Taufkandidaten in ähnlicher Situation berichtet, daß die Ertern ihn nicht enterbten. Ja, das Musterdutzend hat eben auch feine Fehlerchen! Am wertvollsten für uns und am blamabelsten für die Judenmission ist ein enthülltes Geschäftsgeheimnis der Mission. Der Apoüat Professor Cassel erklärte die Missionsbesuche bei Juden für verfehlt. „Die Reicheren würden auf diese Weife gar nicht erreicht" (S. 70), vielmehr seien Verträge unter unverfänglichen Titeln zu empfehlen; und zuvor wird berichtet, daß Cassel in 25 Tausjahren 262 Personen (pro Jahr also 10*, 2) getauft habe: „Unter denselben befanden sich viele Gebildete, Aerzte, Schrrftsteller, Kausleute und andere"! (S. 69). Ei, ei, auf die Reichen wird also gefahndet. Hat denn aber nicht Jesus sein Evangelium gerade den Armen und Elenden bringen wollen? Wahrscheinlich will aber die Mission aus purer Liebe den Reichen, denen nach einem bekannten Worte im Neuen Testamente der Weg Zum Himmelreich besonders erschwert ist, auf diese Weise entgegenkommen. Für uns Juden gilt aber immernoch das Wort des Christen Lessing: Der reich're Jude war mir nie der bessere Jude. Wenn wir auf das letzte Jahrhundert zurückblicken — die Mission nennt es triumphierend das Taufjahrhundert, ich nenne es das praktische Jahrhundert, weil leider die Frage nach dem praktischen Zweck der Wertmesser für alle, auch für die sittlichen Güter in ihm gewesen ist — so dürfen wir allerdings der Mission gratulieren: sie hat eine große Reihe der Reichgewordenen aus Israel, die mit der drückenden Armut zugleich die lästige Religion abwarfen, vor allem die Kinder dieser Parvenüs gewonnen. Wir bekennen mit stiller Dankbarkeit, daß es der kleine Mittelstand in Israel gewesen ist. der sich in allen Versuchungen und Verlockungen durch unsere christlichen Freunde am standhaftesten bewährt hat. Es ist ein ernstes Kapitel, das ich behandelt habe. Unsere Feinde sind nach ihm die Judenmissionare nicht. Unsere Feinde sind wir Juden selbst, insofern wir Anlaß zu derartigen Schriften und derartigen Machinationen geben. Die Waffe gegen sie ist eine gründliche Kenntnis des Judentums und wachsendes Selbstbewußtsein. Hier in Hamburg wachsen z. B. mehrere hundert jüdische Kinder ohne jüdischen Religionsunterricht aus oder nehmen, um in einer christlichen Schule unterrichtet zu werden, am christlichen Religions-

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