Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Sprache und Nationalität
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 49 (sequence 6)
- Language
- German
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Sprache und Nationalität 49 Der an ihren Glaubensgenossen verübte Massenmord hatte sie zwangsweise für die Räuberschaft rekrutiert. Hier diente ihnen die hebräische Sprache als geheimes, gegen Verrat sicherndes Nerständigungsmittel. Sie fanden andersgläubige Genossen, die bald das Geheimnis teilten. Doch die jüdischen Räuber, die der Glaubenshaß geschaffen, starben schnell aus. Die sonst grenzenlose Anpassungsfähigkeit der Juden versagte gegenüber dem Räuberleben, schon weil dieser die Familiengründung hinderte, ohne die es eine jüdische Existenz nicht giebt. Ihre Erbschaft aber, die Verständigung durch eine allem übrigem Volk unbekannte Sprache, blieb den „arischen" Genossen, die, wie begreiflich, mit diesem ihnen fremden Erbe barbarisch umgingen. Man wende nicht ein, daß dies bloße Vermutungen seien, daß im Gegenteil die Fortdauer reichlicher hebräischer Elemente in der deutschen Gaunersprache von einer nachhaltigen Pflege durch kundige Individuen zeuge. Dieser Einwand wäre falsch, denn gerade die hebräischen Worte der deutschen Gaunerspache bekunden in der Art der Wandlung, die sie erfahren, unwrderfprechlich, daß Juden an dieser Wandlung nicht beteiligt gewesen sein konnten. Niemals hätte ein Jude ans dem Wort „Kaßub" — Geschriebenes, Schriftstück — einen „Kassiber" gemacht, niemals ein Jude das Wort „Baaldowor" — Wortführer — Kundschafter — zu „ausbaldowern" mit allen seinen Flexionen abgewandelt, niemals ein Jude aus Szchauro Sore gemacht. Vor nicht langer Zeit ist eine Schrift erschienen, die eine Zusammenstellung der bei „fechtenden" fahrenden Gesellen üblichen Ausdrücke enthält. Dort wird „Walmusch" als Bezeichnung für „Ueberzieher" angeführt. — Wie lange muß jede jüdische Einwirkung fern geblieben sein, ehe aus dem hebräischen Wort „Malwusch" durch Lautumstellung das an sich sinnlose „Walmusch" werden, die allgemeine Bedeutung „Gewand" sich zu dem Begriff „Ueberzieher" verengen konnte! So ist, was Unverstand, Vorurteil und böser Wille gegen uns als einen Schandfleck geltend machen wollte — obgleich auch dann noch alle Entschuldigungen auf unserer Seite gewesen wären — zu einem ehrenden Zeugnis für uns geworden. Unsere Stammesgenossen, die die schmählichsten Bedrückungen überdauert, Lebenskraft unter den schwierigsten Verhältnissen bewahrt haben, gingen unter und verschwanden, da sie nur noch als Feinde der Gesellschaft leben konnten. Nicht einmal Rachedurst vermochte sie aufrecht zu erhalten; das Gefühl, Vergeltung zu üben, hatte für sie keine belebende Kraft. Diese Tatsache im Verein mit der bereits erwähnten, daß die mit Blut und Thränen geschriebenen Memorbücher unserer Gemeinden auf jeder Seite wohl Gottes Barmherzigkeit, aber niemals