Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 41 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Josef Süß Oppenheimer. 41 schimpfendes und Beschämendes Nachreden möge und alle Welt wissen lasse, daß er zur Heiligung des göttlichen Namens gestorben sei. Er sprach den Wunsch aus, daß die Juden nicht durch ihn leiden möchten, daß man überall in den Synagogen seinen Tod bekannt mache und — vor der großen Hoffart warne, damit der Allmächtige die Israeliten erhalte. Nochmals kam Vikar Hoffmann, nochmals bot er ihm „als Gnade von Gotteswegen die Zuflucht in den Wunden des Heilands." Süß rief: „Nur der Ewige ist Gott. Ich übergebe Ihnen und dem Diakonus Heller 2000 Gulden für Ihre Mühe, geben Sie aber auch den Hausarmen davon. Ich will als Märtyrer für meine Religion sterben." Darauf ging Hoffmann?) Nun begann der Abmarsch zur Richtstätte. Süß in ein rotes, reich mit Gold gesticktes, mit weißem Sammet gefüttertes Scharlachkleid gekleidet, mit weißem Oberhemd ohne Manschetten, neuen weißen seidenen Strümpfen, Perrücke und Castorhut auf, saß in einem Schinderkarren auf einem Sitz von ungehobelten Brettern. Er saß aufrecht, an beiden Armen und einem Fuß geschlossen und mit Gewalt festgehalten. Ein blindes Pferd führte den Wageneine Kompagnie voran, eine hinternach, an beiden Seiten ein Kommando mit aufgepflanzten Bajonetten, rechts und links am Wagen 2 Schinderknechte, der eine mit Krug und Wein, der andere mit einem Becher, Süß zum Trinken auffordernd. Süß rief: „So sei es denn, lebt doch Gott und der Kaiser noch. O Gott, o Gott, allmächtiger Gott, mir geschieht Gewalt und Unrecht." Auf der Richtstätte umstanden Tausende den Galgen. Der Wagen fuhr ein; Süß ward aus dem Wagen gehoben und zum Galgen geführt. Hut, Halstuch, Schuhe wurden ihm abgenommenein Strick um den Hals getan. Heller und Hoffmann traten nochmals an ihn heran. Heller wies ihn auf das Verdienst und die Gnade von Jesu von Nazareth. Er erklärte vor versammelter Menge, daß die arme Seele des Süß von ihm und Hoffmann nicht 'verwahrlost worden sei. Hoffmann bat den Süß, doch nicht grausam gegen seine arme Seele zu sein. Süß rief: ,,Der Hofjude von Mannheim, Hallwachs und Bühler sind Schuld an meinem Tode, sie haben falsch wider mich gezeugt." Nun ließ der Major die Trommeln schlagen; Süß rief: „Sclima jisrael adonay elohemi adonay echod, Adonay hu hoeloliim.“ Hoffmann rief ihm nach: „Willst.Du denn, Unglückseliger, in Deiner Sünde dahin sterben?" h Sammelband II. Nr. 4a u. 4b.