Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 42 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Im Deutschen Reich. Die Knechte zogen Süß in die Höhe; Süß rief ununterbrochen:;?Schma“. Als er oben angelangt, rief Vikar Hoffmann: ,,So fahre denn hin, Du verruchte Seele. In einem Augenblicke wirst Du erfahren, daß Jesus, der Welt Heiland, den Du so schnöderweise verachtet, Dein schrecklicher Richter sein wird. Du wirst empfinden, in welchen Du gestochen hast." Süß wurde in den Käfig gedrängt, der Strick Zugezogen. Nach 74 Stunde wurde der Strick abgenowmen und eine Kette um den Hals gelegt, der Käfig wurde verschlossen. Anders wie mit Süß verfuhr man mit den andern Angeklagten. Der Oberhofmeister bekam nur ein Vierte! seiner Besoldung, Hallwachs und Remching bekamen eine so leichte Haft, daß sie mit dem Major Glaser zu Neujahr tranken. Am Abend der Hinrichtung des Süß hatte sich Hallwachs mit einigen Offizieren einen Rausch geholt. Später wurden sie in volle Freiheit gesetzt. Um Süß trauerten die jüdischen Gemeinden?) Seine Gegner beschimpften ihn mit allerlei Versen und Reimen, Flugschriften und Broschüren. Pfarrer Rieger konnte aber nicht umhin, zu sagen: „Dieser Jud Süß ist nicht wie ein Epikuräer gestorben, er hat an Gott und Gottes Geist, Unsterblichkeit der Seelen und Ewigkeit geglaubt. Ist er darinnen nicht noch besser gewesen als viele unter dem Haufen der Christen? Sie mögen zufehen, daß dieser Jud sie nicht einmal am jüngsten Gericht verdamme, der den Namen Gottes bis in seinem letzten Atemzuge angerufen hat." Ein späterer Geschichtsschreiber schloß den Artikel Süß Oppenheimer in der Allgemeinen deutschen Biographie Nr. 37 mit den Worten: „Der Ausgang des häßlichen Handels ist im Interesse der siegreichen landständischen Partei zu bedauern, die, der Stimme des Haffes und den Wünschen einer erbitterten Volksmenge Gebör schenkend, das Recht, zu dessen Hut sie berufen war, beugte und ihre Herrschaft mit einem Gewaltakt einleitete'H" Ein anderer Geschichtsschreiber Württembergs sagt: „Aber es geschah in der Tat nach dem Worte Karl Rudolfs: Der Jude mußte für die Christenschelme die Zeche bezahlen. Diese, die eigentlichen Landesverräter, deckte ihre Verwandtschaft mit der zu Sieg und Herrschaft gelangten Partei und befreite sie von jeder weiteren Untersuchung?)" Das Urteil des nachmaligen Universttätskanzlers Harpprecht des Aelteren ist das Urteil der geschichtlichen Wissenschaft geworden: Aus Grund der bestehenden *) Sammelband II. 2) S. 180-183. 3) Oesterlen, Karl, Illustrierte Geschichte von Württemberg, S. 603.