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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 40

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1903-01-01
Page
40 (sequence 27)
Language
German
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Im Deutschen Reich. 40 Montag Nachmittag 2 Uhr erschienen Lektor Bernhard- Nathan und der Schochet Seligmann bei Süß. Dieser hatte den ganzen Tag gefastet, hatte Thefillin au und sagte die große Widduj. Es war gerade der Jahrzeittag seines Vaters. Als er die Männer eintreten sah, gab er seinem Schmerze wieder neuen Ausdruck. Sie beruhigten ihn. Er machte NemeLs modooh. Während dessen war es Abend geworden. Auf der Straße verkündete man unter Trommelschlag, daß am Dienstag, 4. Februar Vormittag die Hinrichtung stattfinden werde. Jeder Einwohner sollte wenigstens einen daheim lassen, damit die Stadt nicht verödet) Der Tag der Hinrichtung kam. Eine Schar von 1200 Soldaten besetzten und umgaben Markt und Herrenhaus; Major Schulze von der 6. Kompagnie des Rennsing'scheu Regiments hatte den Auftrag, den Kreis beim Hochgericht zu bilden. Um 8 Uhr morgens läutete das Malefizglöcklein. Im großen Saale des Herrenhauses war die Kommission versammelt, Süß wird vorgeführt; er wirft sich auf die Knie und bittet um Gnade. Ein Stadtknecht richtet ihn auf. Nochmals fragt man ihn, ob er etwas zu sagen habe; dann wird ihm das Todesurteil vorgelesen-D Wahrend der Verlesung schreit Süß beständig: „Mir geschieht Gewalt, Unrecht-" Ein Stadtknecht hält ihm den Mund zu, da schlagt ihm Süß eine Maulschelle und ruft: „Der Landesverderber bin ich nicht, ich habe niemand ein Leid gethan; mir geschieht Gewalt, Unrecht. Laßt mich gehen, ich wehre mich um mein Leben.Da wurde der Stab gebrochen. Der Scharsrichter band Süß den Arm auf den Leib und ließ ihn durch Schinderknechte zum Henkermahl führen. Süß hatte seit Freitag nichts gegessen und aß auch setzt nichts. Auf seinen Wunsch waren jetzt Israeliten von Stuttgart, Schloß, Hajum, Seligmann und R. Loew von Freudenthal erschienen. Als Süß den Nathan (Schloß) sah, fiel er ihm um den Hals und weinte laut. Er setzte seinen letzten Willen auf, nachdem er noch leise etwas dem Nathan gesagt hatte. Das Dokument wurde oom anwesenden Sekretär unterschrieben. 3000 Gulden bestimmte er zum Teil für die Geistlichen, die ihn zu bekehren versucht, zum Teil für Synagogen, damit Rabbiner für seine Seele beten und Thora lernen und ein ganzes Jahr lang ein Seelenlicht vrennen soll. Er bedachte seine Mutter, seinen Bruder, seinen Schwager. Den Nathan bat er, gleich nach seinem Tode an alle Synagogengemeinden Zu schreiben, daß man seiner Seele nichts Be^ x) Heyd, Nr. 8061. MHeyd„Nr. 8066.

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