Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 39 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Fosef Süß Oppenheimer. 39 ruft er Adonai hu hoelohim. Bernhard will trotzdem eine Diskussion mit ihm beginnen. Süß lehnt sie ab. An dem Tage hatte er auch nichts gegessen. Der Sekretär fragt ihn nach dem Grund. Süß erklärt es ihm, beteuert seine Unschuld, bittet um Vermittelung, um eine neue Kommission, verspricht sein Vermögen herzugeben und noch zehntausend Reichstaler zu schaffen. Bernhard sucht ihn zu beruhigen und stellt ihm vor, daß sein Tod von Gott schon am vergangenen Rosch haschonoh beschlossen worden sei. Darauf nimmt Süß wieder Nahrung an und ist bereit, mit Bernhard das Gebet eines Kranken zu verrichten, der dem Tode nahe ist. Bernhard verlangt aber, er solle das volle Sündenbekenntnis sagen. Als Süß bemerkt, er solle bekennen, unredlich gewesen zu sein, stößt er das Buch von sich und sagt: „Ich achte meines großen Reichtums nicht, den ich besessen, durch den ich meine Tafel mit Silber- und Goldgeräten, den besten Speisen und kostbarsten Weinen bestellt, Fürsten, Grafen und Edelleute als Gäste an meinem Tische bewirtet habe. Ich achte meines Verstandes und meiner Weisheit nicht, die große Herren aufgesucht, um sich meiner Ratschläge zu bedienen. Ich will auch den schmerzlichen Tod nicht achten, den ich ausstehen muß. Aber das ist mir unerträglich, daß man mich einen Spitzbuben, H . . . w . . . und Landbetrüger nennt! Ich soll ein Landbetrüger heißen und doch habe ich keinem etwas übgestohlen, sondern vielen Geistlichen und Weltlichen zu ihrem Stück Brot verhelfen". Bernhard suchte Süß zu beruhigen, ging dann weg und brachte der Kommission Meldung. Am Samstag, 1. Februar kam Diakonus Heller und versuchte nochmals Süß zu bekehren; aber er ging unverrichteter Sache wieder weg. Am Sonntag, 2. Februar machte Vikar Hoffmann aus höheren Befehl nochmals Vormittag von 8—9Va Uhr den Versuch, Süß zu bekehren. Süß hatte die ganze Nacht hindurch gebetet und um 3 Uhr morgens die Widuj (das Sündenbekenntnis) gesagt. Das Gespräch blieb fruchtlos; Hrffmann berichtete dies, erhielt aber den Auftrag, Montag nochmals den Versuch zu machen. Wieder hatte Süß die Nacht durchwacht. Vormittag um 10 Uhr kam der Vikar. Die Unterredung war wieder vergeblich, und der Vikar schloß sie mit den Worten: ,,Nun, ihr wollt den Fluch haben, so wird er auch kommen, ihr wollt des Segens nicht, so wird er auch ferne von euch bleiben". Mittlerweile waren alle Vorbereitungen zur Hinrichtung ge» troffen worden. Am Freitag war der Galgen errichtet, der Käfig, in. den Süß gebracht werden sollte, angeschmiedet und festgemachU