Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 38 (sequence 25)
- Language
- German
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38 Fm deutschen Reich. Am 5. Januar 1738 hatte Süß noch keine Kenntnis von dem Urteil; am 25. Januar 1738 bestätigte es der Herzogadministrator Rudolph. Am Donnerstag, 30. Januar 1738, eröffnet Glaser dem Süß, daß man ihn nach Stuttgart bringen werde. Freudig rief er aus: Habe ich es nicht immer gesagt, daß man mich wieder nach Stuttgart kommen lassen wird! Der Festungsmajor sandte ihm ein schönes rotes Gewand und kündigte seinen Besuch an. Süß Zog sich schnell an und warsrohen Muts. Der Major kam, fragte, ob er marschfertig sei, und bemerkte ihm, jetzt werde sein langgehegter Wunsch erfüllt, er komme nach Stuttgart. Der Major entfernte sich, kam nach einer Weile wieder und meldete, daß er die Ordre habe, ihn schließen zu lassen. Unter der Begleitung von 4 Grenadieren fuhr der Wagen vom Asperg ab*). In offner Chaise, bekleidet mit einem roten Rock von Taffet und gleichfarbigen Hosen, mit grünem goldbordiertem Kamisol, auf dem Kopfe ein sammetnes Reisehütchen, die eine Hand am Beine geschloffen, Zog Süß mittags Zwischen 12 und 1 Uhr in Stuttgart ein. Die Menge johlte. Er wurde nach dem Herrenhause in das arme Sünderstübchen gebracht. Am Freitag, 31. Januar 1738 wurde er vor die Kommission gerufen. Regierungsrat Faber und 4 Beisitzer waren anwesend. Faber kündigte ihm an, daß er sich darauf vorbereite, binnen 3 Tagen hingerichtet zu werden. Wenn er noch etwas zu seiner Entschuldigung vorzubringen habe, so solle er das bald tun. Auch möchte er fein Seelenheil bedenken und Christ werden2). Darauf erklärte Süß: „Ich will als Jude sterben. Mir geschieht Gewalt und Unrecht. Man hat mich noch nicht recht verhört, keine auswärtige consilia eingeholt. Ich muß um des Privatinteresses einiger Familien ein Schlachtopfer für ganz Württemberg werden. Ich rufe meine Richter vor den Richterstuhl Gottes. Ich habe bei allen meinen Taten nichts anderes als die Wohlfahrt des Vaterlandes zu fördern gesucht." Süß trat ab; Diakonus Heller und Vikarius Hoffmann erhielten den Auftrag, dem Süß zu Herzen zu sprechen. Sie kamen und gingen unverrichteter Sache wieder fort. Nachmittag kam im Aufträge der Kommission der getaufte Lektor Christoph Bernhard von Tübingen. Mit dem von Süß gewünschten Hofjuden Nathan und dem Sekretär Pregitzer geht er zu Süß. Dieser fragt, wer der Herr sei und was er wolle. Als er darüber belehrt ist, sagt er: Der Herr möge wissen, ich bin entschlossen, als Jude zu sterben. Lebema disratzl adonaj elolienu adonaj echod. Siebenmal i) Bd. II der Akt. b. Verf. Nr. 28. 2) Nr. 8057, Sammelband II, Ncr- 4a.'