Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 36 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316703-2330759--10492-2330876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 Im deutschen Reich. er erholte sich und Major Glaser freute sich „ihn lebendig zürn Galgen schicken zu können". Süß wollte gern wieder schreiben, fragte Glaser, was denn die Konnnission solange die Sache hinziehe, und bat, man sollte ihm doch ein Ende machen. *) Süß erkannte allmählich, daß seine Sache schlimm stand, und verlangte einen Geistlichen. Am 4. Dezember kam Pfarrer Rieger von der Leonhardkirche im Aufträge der Kommission. Was er mit Süß gesprochen, berichtet er selbst, wie folgt: Rieger tritt ein und grüßt Süß freundlich. Süß aber, der einen hochzefteLten, am Hofe einflußreichen Geistlichen erwartet hatte, erklärt: er habe einen solchen Geistlichen wie Rieger nicht verlangt, er welle einen solchen, der besonderen Zutritt zum Fürsten habe und nachdrücklich für ihn bitten könne. Rieger erklärt, daß er gern vermitteln wolle, daß er aber ihm gern zur Erkenntnis der wahren Seligkeit verhelfen möchte. Süß lehnt eine solche Erörterung rundweg ab. Ebenso wag er auch nicht die Vermittelung Riegers, da dieser von der Jnguisitionskommission abhänge. Er erhebt bittere Klage über diese, hebt die Verdienste um das Fürstenhaus, um das ganze Land, um die lutherische Kirche hervor. Das dauert fast lty2 Stunde. Rieger hatte ihn ganz angehört, fragt, wozu er ihm dies alles erzählt habe. Süß erklärt ihm seine dreifache Absicht. Entweder möge Rieger ihm eine Audienz beim Fürsten erwirken, oder dafür wirken, daß man mit ihm kurzen Prozeß mache, oder daß man ihn ohne Vermögen aus dem Lande ziehen lasse. Rieger. Dieserhalb hätte er keinen Geistlichen gebraucht. Süß. Gerade von einem Geistlichen und nicht von einem Weltlichen hätte er ein solches Liebeswerk erwartet. Rieger. Er sei gar nicht gekommen, Süß zur Freiheit zu helfen, sondern ihn zum Christentum zu führen. Wie anders hätte man den Wunsch des Süß, zwei Geistliche, einen evangelischen und einen katholischen, zu sprechen, verstehen können, als darin eine Neigung zum Uebertritt zum Christentum zu sehen! Süß. Gerade durch zwei Zeugen verschiedener Religion habe er bezeugen wollen, daß man ihm Unrecht tue und keiner seiner Verfolger in den Himmel käme. *) Bd. II der Akten des Verteidigers, 8—19.