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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1903-01-01
Page
35 (sequence 22)
Language
German
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Josef Süß Oppenheimer. 35 berger, wie Hallwachs und Buhler, hätten das meiste selbst angeregt und aus geführt; dabei habe Süß dem Lande und dem Herzoge zugewendet, was er im Lande an Reichtümern gewonnen habe. Schließlich sei Süß bereit und imstande, alle Gelder zu ersehen, die man als auf Unrechtem Wege erworben erweisen werde. Hätte Süß sich wirklich schuldig gewußt, so wäre er sicher längst davon gegangen; nun sei er nicht geflohen, habe monatelang die schwere Haft erlitten, bereue aufrichtig, worin er sich verfehlt habe.^) Die Verteidigung konnte mit Recht auf die schwere Haft Hinweisen. Aber noch schlimmer wurde die Zeit vom September 1737 an für den Verhafteten. Am 16. September ließ er dem Major Glaser, Kommandanten der Feste Asperg, die Bitte vortragen, er möchte gerne einen katholischen und einen evangelischen Geistlichen haben, die keine Württemberger seien; so suchte er nach Rettung. Dabei wußte er nicht, wie es mit seiner Sache stehe. Er wollte nur rituelle Speisen genießen, wurde dafür von Glaser verhöhnt und derb zurechtgcwiesen. Den Verteidiger konnte er nicht sprechen. Das alles hatte seinen Geist so aufgeregt, daß er sich wie konfus vorkam. Er wollte an seinen Verteidiger schreiben. Er erhielt nicht Tinte noch Feder. Erst am 28. September erlaubte Glaser, einen Brief an den Verteidiger zu schreiben, der aber erst an den Regierungsrat v. Pflug geschickt wurde. In dem Briefe klagte er bitterlich darüber, daß man ihn durch Korporale, Profossen und Henker zu Aussagen zwinge. Aber Ende Oktober wußte er noch nicht einmal, ob sein Verteidiger seine Notizen erhalten habe. Auf vieles Bitten erlaubte man ihm, nochmals an seinen Verteidiger einen Brief zu schreiben, der erst am 29. Oktober an Regierungsrat v. Pflug geschickt wurde. Der Verteidiger kam endlich; Süß atmete auf. Er wurde mit seinem Kassierer konfrontiert, die Konfrontation regte ihn auf und beunruhigte ihn lange. Er verlangte deshalb, daß man ihn von neuem konfrontiere, daß man ihn wegen seiner Schwäche besser pflege und nach Ludwigsburg überführe. Glaser tröstete ihn höhnisch, man werde ihn wohl nach Stuttgart bringen, einer Konfrontation bedürfte es nicht, er möchte nur die volle Wahrheit sagen. Süß beteuerte seine Unschuld, beklagte sich über die harte Haft, wie man Zeugen gegen ihn aufbringe, von denen er nicht einen erwartet hätte. So kam der November heran, es wurde bitter kalt; Süß klagte über schlechtes Schuhwerk, vier Tage hatte er nichts gegesien und war sehr schwach geworden. Da aß er zu Mittag zehn eingerührte Eier und Brot, am anderen Tage machte er es auch so, i) Akten des Bert. Bd. III und IV.

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