Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 26 (sequence 13)
- Language
- German
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vÜ'TH deutschen Reich. l'f» sondern auch noch aus religiösen und politischen Beweggründen hervorgegangen und eine drehende Form angenommen hatte. Es war die Annahme verbreitet, daß der katholische Herzog dem Katholizismus die gleichen Rechte oder gar Vorrechte verschaffen wolle und daß die geheimen Vorbereitungen auf eine rasche und gewaltsame Verwirklichung dieses Planes durch Vermittlung von Süß getroffen würden. Dazu kam noch bestärkend und steigernd die Nichtachtung, mit welcher der Herzog die seinen Wünschen ganz entschieden widerstrebenden, hartnäckig auf ihrem Standpunkt bestehenden Landstände behandelte. Auch dafür machten die Gegner des Süß ihn verantwortlich, indem sie in ihm den unwiderstehlichen und mit satanischen Künsten den Fürsten in seinen Banden haltenden Berater erblickten. Süß bereitete daher sich im Stillen zum Abschiede vom Lande Württemberg vor und ordnete deshalb in erster Linie seine geschäftlichen Beziehungen Zum Herzog, damit ihm nicht noch nachträglich irgend ein Vorwurf gemacht werden könne. Am 8. März 1737 wurde die Rechnung über alles, was der Herzog von Süß zu fordern und an ihn zu zahlen hatte, beginnend vom Juli 1735 bis zum Tage der Aufstellung, geprüft und gutgeheißen, mit Ausnahme eines Brillanten, dessen sich der Herzog nicht erinnerte, und eines Preisunterschiedes bei zwei Edelsteinen, sowie einer Miteinrechnung zweier kleiner wieder zurückgegebener Ringe, deren Richtigstellung Vorbehalten bliebt) So kam der 11. Marz 1737 heran. Carl Alexander reiste nach Ludwigsburg, um von da aus nach dem 12. d. Mts. eine weitere Reise zu unternehmen. Am 12. März war gesellige Unterhaltung beim Herzoge bis nachts 9l/2 Uhr. Süß war bei ihm, verlor im Spiele und der Herzog schenkte ihm gnädigst feinen Gewinn. Hierauf Zog Carl Alexander sich zurück und ließ sich von seinem Diener Neuster einen Trank geben, wie er ihn häufig vor dem Schlafengehen genoß. Da wurde ihm plötzlich übel; er rief den Diener, man ließ dem Herzog zur Ader, als er plötzlich unter dem Rufe: ich sterbe, Zurücksank und verschied. Die Gesellschaft wurde sofort aufgehoben; Oberstallmeister von Roeder und Süß eilten nach Stuttgart, der Herzogin den Todesfall zu melden. Als Süß den Palast derselben verlassen wollte, wurde er vom Oberst v. Reischach gefangen genommen und unter militärischer Begleitung in sein eigenes Haus gebracht, das bereits von Militärwache umgeben war. Alle Insassen des Süß'schen 1) Codex hish F. 622.