Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 23 (sequence 10)
- Language
- German
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Josef Lüß Cppcnijcimcr. 23 um Standesämter. Die Gratialdekrete hatte Süß selbst nicht auszufertigen, die Entscheidung über die Perion hatte der Herzog, ebenso auch über die Höhe der zu zahlenden Gelder. Das Odium für all dieses fiel aber aus Süß ft. Noch eine Quelle erschloß sich aber der Chatoulle durch das Fiscalatamt, eine Einrichtung, welche unter Ehrhard Ludwig in der Form von Generalkommissionen bestand. Wenn Jemand eines Verbrechens beschuldigt wurde und er fich lieber der Gnade Serenissimi überlassen wollte, statt den Ausgang eines verwickelten Prozesses abzuwarten, so konnte er fich durch Zahlung einer Geldbuße freimachen. Der Herzog hatte zu dieser Behandlung von Vergehen ein besonderes Kollegium eingesetzt, Süß aber mit der Wahrung des Interesses seines Fürsten beauftragt. Daß dieses Fiscalatamt ebenfalls dahm wirkte, Angeberei zu treiben, Unschuldige zu quälen, Schuldigen große Zahlungen abzuringen, schwere Vergehungen nur'mit Geldbußen zu ahnden, ist leicht einzusehen; man ging aber, auch gegen das Vermögen Verstorbener vor, die schweren Vergehens noch nach dem Tode beschuldigt worden waren. Alle diese das Volk ungemein erbitternden, das Rechtöbewußtsein beleidigenden Maßnahmen geschahen im Namen des Staates, waren vom Herzog oder seinen dazu bestellten Beamten gutgeheißen und ausgeführt, Süß war der Finanzmann für diese Volksquälereien. Aller Haß und Groll hatte sich gegen ihn gewandt und am Schluffe des Jahres 1736 durch die sich immer mehrenden Akte einen sehr bedenklich hohen Grad erreicht. Es änderte daran nichts, daß der Herzog solche Buß- und Sühnegelder von feinem Kabinettfiskal ausgezahlt verlangte und oft von ihm Juwelen oder sonstige Schmucksachen einhandelte, so daß tatsächlich ein Contocurrent geschäftlicher Natur entstand, bei welchem die Gelder verrechnet wurbenft. Der totliche Haß richtete sich nur gegen den Juden Süß, den eine an seiner Haustüre in Frankfurt angebrachte Drohung die Gefahren ahnen ließ, die fein Leben unsicher machten3). Das Jahr 1737 lieferte neue Nahrung für den immer steigenden Haß des Volkes. Die Staatskassen waren nicht so in Ordnung, daß die Beamtenbesoldungen rechtzeitig und vollständig an alle gezahlt werden kennten. Dem Mangel abzuhelsen war in der Tat eine Notwendigkeit, es mußte Geld ausreichend und zur rechten Zeit *) Verteidigungsschrift T. IV. fol. 52-65. 2) Codex hist. F. 622. s)Heyd Rr.8068; merkwürdige Itaatsassembb;. u. s. w. Aucherdam 1738,