Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 20 (sequence 7)
- Language
- German
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-0 .*??; Dcutf^cn Reicu. mit seinem Talente, sich in alle Stimmungen des Herzogs zu finden, ohne an Vertrauen bei demselben eiuzubüßen, gewann. Süß besaß in seltener Vollkommenheit die Haupteigenschaft, so sagt ein ihm nickt wohlwollender Geschichtschreibers, die sein ganzer Stamm in der langen Unterdrückung, die er erlitten, sich angeeignet hat, die Gabe, schlimmes wie gutes Wetter mit unzerstörbarem Gleichmute hinzunehmen, aber auch bei gutem Wetter recht behend und dreist zuzugreisen. Er war, wie selbst die vielen Schmähschriften, die nach seinem Sturze gegen ihn erschienen, Zugeben müssen, ein höchst gewandter, rühriger Mann, von einem allezeit munteren, freien, weltmännischen Wesen, der ohne den Juden und den Judenaeeent zu verraten, sich gar wohl in der Unterhaltung mit vornehmen Leuten Zu bewegen verstand, Kavalier - manieren sich angeeignet hatte, sich generös und prächtig, wo es galt, zu bezeugen wußte und sich sogar zum Staat eine Bibliothek angelegt hatte. Er hatte sich gegen die vornehmen Herrn in Respekt zu setzen verstanden und, wie die Schmähschriften sagen, drückte er selbst einige vom Adel so lange, „bis sie ihn dasür erkannten, der er sein wollte."-) Und thatsächlich verlangte der Herzog sogar in hochwichtigen Fragen, bei Wahl hoher Beamten, Einführung von Staatseinrichtungen u. a. seinen Rat. Carl Alexander sagte Zwar mit Recht von fick, daß er sich „in keinem Stücke präoccupieren lasse, sondern in allen seinen Sachen nach einer selbsteigenen Einsicht dijudiciere.3) Es lag .aber in der Natur der klugen Beratung, daß sie nicht ohne Einfluß blieb. Als der Fürst sein Vertrauen zu den bisherigen Räten Schütz und George verloren, ernannte er trotz seiner Neigung, ausländische Beamte an deren Stelle zu setzen, auf den Rat des Süß inländische zu ihren Nachfolgern. Johann Theodor Scheffer, vom Kammernchter von Ingelheim und vom Regierungsrat Metz warm empfohlen, und deshalb von Süß sehr begünstigt, wurde Hofkanzler, von Pfau und Knab erhielten hohe Vertrauensstellungen. Desgleichen wurden auf seine Empfehlung Metz, Buhler und Hallwachs in hohe Ratsstellungen eingesetzt. 4) Obwohl alle diese Genannten thatsächlich Staatsbeamte waren, während Süß wohl einen Titel, aber eigentlich kein behördliches Amt *) Dr. Vehse, Geschichte der deutschen Höfe, Band 23, Abth. IT, Theil III, S. 218 ff. -) Dr. Vehse das. 3) Decret. vom 19. August 1735, Verteidig»»gsfchrift' 9 a, Frankfurter Akten Fase. 13, Nr. 18. ch 3t:C|u. Prot. T./7. 1737, Fragen 107.