Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Schlusse des ersten Jahrzehnts
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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x\m deutschen Reich jüdischen Gemeinde zu einer Beratung zusammen. In dieser wurde das, was christliche Männer wie Rudolf von Gneist, Dubois- Reymond, Georg von Bunsen, Mommsen, Rickert u. a. aus Menschenpflicht und als eine Folge ihrer liberalen Gesinnungen in dem einige Jahre vorher gegründeten „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" geleistet hatten, voll anerkannt, aber gleichzeitig die Notwendigkeit betont, daß die Juden neben ihrer Mitarbeit in jenem Verein auch in einem besonderen Komitee zum Schutze der Gleichberechtigung tätig sein müßten. Am 30. Juni 1892 bildete sich deshalb aus Veranlassung des Kommerzienrats Julius Jsaae ein solches Komitee Zur Abwehr antisemitischer Angriffe, das seitdem unter der Leitung des Stadtverordneten Dr. Nathan vieles Gute geleistet hat, aber, nur aus etwa 20-—30 Herren bestehend und nicht öffentlich wirkend, seiner ganzen Organisation nach nicht die Gesamtheit der deutschen Juden zur Mitwirkung bei der Verteidigung ihrer heiligsten Rechte anregen konnte. Daß dies nicht nur wünschenswert, sondern sogar unerläßlich ist, wurde bald in weiten Kreisen empfunden; in einer jüdischen studentischen Verbindung, der „Viadrina", wurde es laut zum Ausdruck gebracht, erhielt aber erst durch eine von Di. Raphael Löwenfeld verfaßte Schrift „Schutzjuden oder Staatsbürger?" zündende Kraft. Unter dem Eindruck dieses „erlösenden Wortes" sagten sich viele charaktervolle Männer: „Wir müssen uns wehren, wir selbst, gegen diejenigen, welche wieder mittelalterliche Zustände herbeiführen möchten, die uns zu Heloten herabwürdigen wollen, die unsere bürgerliche Ehre, unsere Religion und religiösen Einrichtungen beschimpfen, unsere Person und unser Eigentum bedrohen. Wir müssen uns wehren mit allen uns zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln, insbesondere aber durch den lautesten Appell an den bessergesinnten Teil des deutschen Volkes, der die Rückkehr zum dunklen Mittelalter gewiß ebenso verabscheut wie den offenen oder auf Umwegen bewirkten Bruch verbriefter Rechte." Die so dachten, verkannten keineswegs, wie schätzbar und dankenswert das war und ist, was der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" durch Herausgabe des „Annsemiten-Spiegels" geleistet hat und durch seine „Mitteilungen" heute noch leistet, aber sie erkannten es angesichts dieser humanen Arbeit Andersgläubiger erst recht als Pflicht, auch selbständig für ihre bedrohten Rechte zu kämpfen, selbst in die Bresche zu treten und die eigene Haut zu Markte zu tragen. Von diesem Geiste beseelt, fanden sich am 5. Februar 1893 m Hause des Kommerzienrats Julius Zsaac, gegen 200 Herren