Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Schlusse des ersten Jahrzehnts
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316703-2330758--10460-2330845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Central-Verein re. 5 zu einer Beratung zusammen, die mehrere Stunden währte. Nach eindringlichen Reden, welche von Geh. Medizinalrat Dr. Senator, Dr. Kurt Pariser und anderen Herren gehalten wurden, erreichte die Begeisterung für die „Selbstverteidigung im Lichte der Oeffentlichkeit" eine solche Höhe, daß im Anschlüsse an diese -Versammlung sofort der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ins Leben gerufen und ein interimistischer Vorstand gewählt wurde. Die vorbereitenden Arbeiten, um welche sich der bekannte Professor der Psychiatrie an der Berliner Universität Dr. Emanuel Mendel besonders verdient machte, nahmen die nächsten Monate in Ampruch. Nachdem die Organisation im Herbst des Jahres 1893 volleneet war, übernahm den Vorsitz im Vorstande der jetzige Privatdozent an der Berliner Universität Professor Dr. Martin Mendelfohn, den Vorsitz in der für die Vereinstätigkeit besonders wichtigen Rechtsschutz-Kommission der Rechtsanwalt beim Kammergencht, Di*. Eugen Fuchs. Mehr und mehr bildete sich eine systematische centrale Leitung für die Wahrung der Rechte der deutschen Juden, und in immer weiteren Kreisen wurde bekannt, daß jeder, dem wegen seines jüdischen Glaubens Unbill widerfahre, an dieser Stelle Rat und wenn möglich Beistand erhalten könne. Während sich anfangs der Privatgelehrte Dr. Richard Böhme und der damalige Assessor, jetzige Syndikus Dr. Apt, an den betreffenden Arbeiten in verdienstlicher Weise beteiligten, wurde später in der Kronenstraße 22II ein Vereinsbureau eingerichtet, dessen Leitung zunächst der Schriftsteller Isidor Frankel übernahm. In rascher Folge wurden einige Vereinsversammlungen veranstaltet, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Central-Derein lenkten. In der am 30. Dezember 1893 abgehaltenen ersten General- Versammlung erstattete der Vorsitzende, Dr. Martin Mendelsohn, den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Jahresbericht, welcher späterunter dem Titel „Die Pflicht der Selbstverteidigung" gedruckt und massenhaft verbreitet worden ist. Die Tendenz dieser Schrift war durch das Motto (das bekannte Wort Gabriel Richers) gekennzeichnet: „Wer mir den Anspruch auf mein Vaterland bestreitet, -der bestreitet mir-das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, auf die Sprache, die ich rede, auf die Lust, die ich atme. Darum muß ich mich gegen -ihn wehren — tvie gegen einen Mörder." Die lichtvollen Ausführungen der Schrift Dr. Mendelsohus führten dem, Central-Vereine zahlreiche Mitglieder zu, und eine gleiche Wirkung