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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 695

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
Berlin
Date
1902-12-01
Page
695 (sequence 10)
Language
German
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Korrespondenzen. 095 Ring hätte als Beauftragter „märkischer Milchbauern" nicht nöthig gehabt, seine Angriffe gegen ihn mit Pückler'schen Redensarten zu begleiten. Seine Bemerkung: „Jüdische Anwälte könnten eben das deutsche Genossenschaftsgesetz nicht verstehen," sei umso unangebrachter, als sein eigener Anwalt Herr Brückmann jüdischen Glaubens sei. In der antisemitischen „Deutschen Hochwacht" wurde kürzlich ein gewisser Zacharias, der wegen unappetitlichen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz und wegen unsittlichen Vergehens gegen weibliche Angestellte aus seiner Stellung als Pächter des Büffets im Opernhause entfernt worden ist, als Jude bezeichnet. Ein Vereinsmitglied theilt uns mit, daß dies nicht zu trifft. Zacharias sei der Sohn eines König!. Stallmeisters, angeblich aus sächsischen Diensten, selbst ehemaliger Offizier und weder nach Religion noch Abstammung Jude. Die „Neuen Militärischen Blätter" schreiben über das wichtige Thema „Die Juden als Soldaten" in einer Weise, die deutlich zeigt, datz die Worte des Generalobersten von Loö einen Widerhall gefunden haben, aber daß dieser noch nicht stark genug war, um eine Wendung zum Bessern herbeizuführen. Sie sagen: „Es giebt eine ganze Anzahl von jüdischen Staatsangehörigen, die es zum Dicefeldwebel der Reserve und Landwehr gebracht haben, selbst einige Offiziere des Benrlaubtenstandcs jüdischen Glaubens sind uns bekannt. Es besteht keinerlei Hindernis für diese Leute zum Aufrücken, allein es liegt nun einmal in dem Wesen der Dinge, das die Zahl derer, die sich dazu eignen und denen es überhaupt darauf aukommi, eine verschwindend kleine ist. Einer besonderen Begründung bedarf es nicht, die Verhältniffe sprechen für sich selbst." Warum diese traurigen Verhältnisse nicht geordnet werden, darüber schweigen sich die Blätter aus; sie reden vom „Wesen der Dinge" und weisen auf die paar Ausnahmen hin, in denen sich die Beförderung jüdischer Mannschaften wirklich nicht umgehen ließ, aber sie vermeiden es schamhaft, das ohnehin nur halb versteckte Dorurtheil gänzlich zu enthüllen. — Bei der Beerdigung eines aktiven Vizewachtmeifters des 6. Artillerie-Regiments, der am 20. November auf dem israelitischen Friedhöfe zu Fürth mit militärischen Ehren zu Grabe getragen wurde, betonte der amtierende Rabbiner, besondere Umstände brächten es wohl mit sich, daß jüdische Glaubensgenossen selten als Berufssoldaten dienten, aber deswegen stünden die Israeliten doch ihren Mann, wenn das Vaterland in Gefahr sei, was sie in den Befreiungskriegen und 1870/71 bewiesen hatten. — Selbst dort, wo

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