Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 696 (sequence 11)
- Language
- German
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696 Im deutschen Reich. die Juden nahezu rechtlos sind, in Rußland, ist man nicht selten gezwungen, der Tüchtigkeit der jüdischen Soldaten Anerkennung zu zollen. Die „Jüdische Presse" entnimmt der officiellen russischen Militär-Wochenschrift „Raswjedschik" nachstehenden Armee-Befehl: „Der Commandeur des 11. Grenadier-Regiments zu Moskau hat dem obersten Kriegsherrn über nachstehende Heldenthat des Trommlers Hersch Teitelbaum Meldung erstattet: Der betreffende Trommler hatte Urlaub und befand sich gerade aus der Straße, als er sah, wie der Pöbel, der sich am 12. September in Moskau zusammengerottet hatte, über einen Schutzmann herfiel. Teitelbaum eilte dem Bedrohten zu Hilfe und erhielt dabei seinerseits einen Messerstich in den Kopf. Trotz seiner schweren Verwundung gelang es ihm, das Leben des Schutzmanns zu retten. Se. Majestät geruhte auf die Meldung eigenhändig die Randbemerkung zu schreiben: „Ein schneidiger Kerl! Soll eine Belohnung von 50 Rubel erhalten." Indem ich diese kaiserliche Gnade bekanntgebe, hoffe ich, daß der Trommler Teitelbaum seinen Kameraden als Beispiel dienen wird. Gleichzeitig spreche ich den unmittelbaren Vorgesetzten Teitelbaum's, die einen so tapferen Soldaten aus ihm gemacht haben, meinen wärmsten Dank aus. Dieser Befehl ist sämmtlichen Soldaten des Regiments durch Verlesung zur Kenntniß zu bringen." An Stelle des in früheren Jahren von antisemitischer Seite herausgegebenen „Wegweiser durch Berlins christlich-deutsche Geschäfte" verbreitet Herr E. Haupt, Friedrichstraße 234 und die Expedition der „Staatsbürger-Ztg." seit Kurzem ein kleines „Adreßbuch deutscher (nichtjüdischer) Geschäftsleute Berlins" zu dem in der Vorrede deutlich kundgcgebenen Zweck, die Käufer sowohl den jüdischen 'Geschäftsinhabern als auch denjenigen christlichen Geschäften abwendig zu machen, in denen Juden Anstellungen gefunden haben. Als „völlig judenreine" Firmen haben folgende Geschäfte von der Erlaubnis, in dem antisemitischen Adreßbuch inserieren zu dürfen, Gebrauch gemacht, verzichten also auch offenbar auf jüdische Kundschaft: Altmann's Zahn-Klinik am Alexanderplatz. Gustav Banse, Stempelfabrik, Rosenthalerstr. 65. Bernhard Berg, Cigarrettenfabrik, kl. Hamburgerstr. 15. A. Wilborn, Porzellanhandlung, Brunnenstr. 16. Max Knorr, Kravatten-Geschäft, Rosenthalerstr. 65. Robert Donner, Schneidermeister, Fehrbellinerstr. 77. Carl Hager, Juwelier, Kastanien-Allee 55. A. Tschaege, Wäsche-Fabrik, Elisabethkirchstr. 13.