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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 693

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
Berlin
Date
1902-12-01
Page
693 (sequence 8)
Language
German
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Koresponvenzen. 693 riffeit. Die Juden Singer, Stadthagen und Wurm sind Gasienjungen und Rüpel, die nicht verstehen, sich in anständiger Gesellschaft anständig zu bewegen. Sie müssen einfach aus dem Reichstage herauZgeschmissen werden." (Toller Beifall und ironische Zurufe.) „Unser Kaiser hat in Breslau die Arbeiter aufgefordert, den sozialistischen Führern den Laufpaß zu geben; wenn er aber -statt sozialistische Führer jüdische Führer gesagt hätte, würde er der Sacke noch näher gekommen sein." (Beifall.) Zum Schluß verstieg sich der Redner mit großem Pathos zu folgender Aufforderung: „Zu den Waffen! Ihr Staatsanwälte und Richter dürft hinfort nicht mehr die wahren Volkskampfer verfolgen und strafen. Wenn ihr es dennoch thut, wird das deutsche Volk Gericht sitzen über euer gewissenloses Benehmen und euch brandmarken. Ihr deutschen Frauen aber greift mit ein in den Kampf. Laßt eure Kinder einmal zu Hause, wenn es nothwendig ist; der Teufel wird sie nicht gleich holen." (Lebh. Beifall.) Das „Kl. Journal" schließt seinen Bericht mit den Worten: „Ein furchtbarer Vers beschloß die dröhnend applaudierte Rede. — Man sieht, Graf Pückler wird von Tag zu Tag — bildlicher." Das Berliner Schöffengericht beschäftigte sich am 8. d. M. mit einer Privatklage des Schriftstellers Dr. Jon Lehmann gegen den Herausgeber der „Deutschen Zeitung", Dr. Friedrich Lange. Elfterer hatte in der von ihm verlegten „Breslauer Zeitung" ein Feuilleton über das Buch von Rideamus „Willys Werdegang" veröffentlicht und das Werk als eine gelungene Satire auf manche Auswüchse unseres Familienlebens gelebt. Ohne sein Zuthun hatte der Verlag des Buches diese günstige Kritik als Reklamemittel benutzt und den ganzen Artikel mit Namensunterschrift in einer Beilage des „Kladderadatsch" als Inserat veröffentlicht. Dr. Lehmann veranlaßte darauf die Mittheilung im Briefkasten des „Kladderadatsch", daß er mit jenem Inserat nichts zu thun habe und sein Artikel ohne sein Wiffen dazu benutzt worden sei. Durch eine Mittheilung aus Mainz wurde Dr. Fr. Lange darauf aufmerksam, daß die günstige Kritik von einem Manne jüdischen Glaubens herrühre. Dr. Lange besprach dann das Buch „Willys Werdegang" in einer literarischen Beilage der „Deutschen Zeitung" in äußerst abfälligem Sinne, wobei er gegen die günstige Kritik des Dr. Lehmann Front machte. Er sprach darin von „anonymer Schandliteratur", „schamloser Frechheit", „aufdringlichem Hebräerthum", „jüdischer Unverschämtheit" u. s. w. und nannte das Werk, welches sich erdreiste, frivole Angriffe auf das christliche Familienleben zu richten, platt, gemein und witzlos. Er meinte ferner, man könnte zu der Vermuthung kommen, daß der

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