Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 687 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korresponvenzen. 687 bereit. Bettein durfte nur derjenige, der nicht für einen Tag Existenzmittel hatte. Erst in dem späteren Judenthum kam der verhängnißvolle Gedanke auf, daß das Almosengeben an sich verdienstvoll und ein Gegengewicht gegen etwaige Sünden sei, eine Anschauung, die zur Entstehung eines BeLllerproletariats führen mußte." Ueber die am 16. v. Mts. abgehaltenen Hauptversammlungen des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" und der „Bodenkultur-Gesellschaft m. b. H." geht uns folgender Bericht zu: „In beiden Versammlungen wurde Bericht über die Thätigkeit im verfloffenen Jahre erstattet, dem Vorstand des Vereins, bezw. dem Aufsichtsrat und dem Geschäftsführer der Gesellschaft Entlastung ertheilt. Der Verein zählt jetzt 47 Ortsgruppen mit 1400 Mitgliedern und hat ein Einkommen von 6800 Mk. (gegen 3700 Mk. i. V.) Das wichtigste Ereigniß des Vereinslebens im verflossenen Jahre war die Gründung der ^Bodenkultur-Gesellschaft m. b. H.", die das Gut Neuhof erworben.hat. Die Gesellschaft ist das Organ, durch welches der Verein seine Bestrebungen ins Praktische umsetzen will. Sie wurde mit einem Stammkapital von 20 000 Mk. begründet und weitere 50 000 Mk. wurden ihr von einem Vorstandsmitgliede des Vereins vorgeftreckt. Am 16. v. Mts. wurde das Stammkapital auf 40 000 Mk. erhöht. Sowohl den Vercinsmitgliedern, wie den Gesellschaftern wurden von dem Vorsitzenden Herrn Oberamtmann (Lohn und dem Geschäftsführer der Gesellschaft Herrn Mühlenbesitzer Rosenthal eingehende Mittheilungen über das Gut Neuhof und seine Einrichtungen gegeben. Das Gut bat zwar leichten Boden, ist aber doch sehr geeignet als Lehr- und Lerngut. Die Ernte war eine befriedigende und hat erwiesen, daß Neuhof die erwartete Rentabilität aufweisen wird. Es sind Bauten für die Eleven errichtet, und die Aufnahme (Aufnahmegesuche sind an Herrn Dr. Ernst Tuch, Eharlottenburg, Herderstr. 6 zu richten), wird vom 1. Januar 1903 ab erfolgen können. Die Eleven werden unter Leitung eines tüchtigen Fachmannes die Landwirthschaft praktisch von Grund aus erlernen und im Winter von Lehrern der Ackerbauschule in Samter theoretischen Unterricht erhalten. Zwischen dem Verein und der Gesellschaft wurde ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem sich der Verein „auf 6 Jahre verpflichtet, im Umfange seiner verfügbaren Mittel, die Bodenkultur-Gesellschaft m. b. H. bis zur Höhe von 3000 Mk. jährlich zu subventionieren, wogegen sich die Gesellschaft verpflichtet, für je 750 Mk. der Subvention einen der von dem Verein ihr empfohlenen und von ihr für tauglich befundenen Eleven unentgeltlich in Pension zu nehmen