Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 684 (sequence 11)
- Language
- German
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684 Hm deutschen Reich. halb der antisemitischen Fraktion in Oesterreich und der. den Ausgleich mit Ungarn erschwerende Neid auf die Erfolge der liberalen transleithanischen Verwaltung, erzeugen übrigens Verhältnisse, unter denen die Volkswohlfahrt kaum gedeihen kann. Selbst in Rußland erschließt man sich neuerdings der Erkenntnis, wie verkehrt es ist, Millionen harmloser und gewerbfleißiger Bürger zu knechten und zu drangsalieren, statt ihre Fähigkeiten im Interesse der Gesammtbevölkerung sich frei entfalten zu lassen. Einige Blätter, die nicht im Banne der jedem Fortschritt abholden Großgrundbesitzer stehen, verbreiten die Nachricht, die Negierung trage sich mit dem Gedanken der Erweiterung der Rechte der Juden insofern, als sie diesen den Erwerb von Grundbesitz auf dem Lande bis zu einem gewissen Maaße gestatten wolle. Die russischen Israeliten danken es in erster Linie dem Finanzminister Witte, wenn sie sich jetzt über schlechte Zeiten in Rußland nicht zu beklagen haben, und sie hoffen, daß es diesem tüchtigen Staatsmanne noch gelingen werde, die maßgebenden Kreise Rußlands zu überzeugen, daß auch sie nur Nutzen davon haben werden, wenn sie das tüchtige Knlturelement, welches in den Juden steckt, besser als bisher würdigen und nutzbar machen wollten. Die Hartnäckigkeit der Rumänen den dortigen Juden ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen, statt sie zur Aus' Wanderung zu zwingen, wird zweifellos gebrochen werden. Wenn auch die Note des nordamerikanischen Staatssekretärs Hay zunächst keinen sichtbaren Erfolg hatte, den unsichtbaren hatte sie doch, daß kein anderer Staat, selbst Rußland nicht, es unternimmt, den jungen rumänischen Staat gegen die schroffe Abkanzelung in Schutz zu nehmen. Ein in hebräischer Sprache abgefaßtes freundschaftliches Schreiben des Staatssekretärs John Hay an einen Rabbiner in Evansville beweist, daß Hay es keineswegs bedauert, für die Bedrängten in dem fernen Rumänien eine Lanze gebrochen zu haben. Daß mit ihm andere hervorragende amerikanische Staatsmänner vollständig übereinstimmen, zeigt ein von dem amerikanischen Botschafter Andrew D. White an einen Herrn Seligmann gerichteter Brief, in welchem der von allen Parteien Deutschlands bei seinem 70. Geburtstag gepriesene tüchtige Botschafter seine Entrüstung über die rumänischen Grausamkeiten in schärfster Werse zum Ausdruck bringt. Zu diesen Kundgebungen gesellt sich auch die des kürzlich zum Oberhaupte der englischen Hauptstadt gewählten Sir Marcus Samuel, welcher bei der Einladung der fremden Diplomaten zu dem Festmahl in der Londoner Guildhall den rumänischen Gesandten übergangen und dabei offen erkärt hat, daß er damit nur die Sitte befolge, Vertreter