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Im deutschen Reich · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. 660

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
Jacob Gerzon [Rezension]
Date
1902-11-01
Page
660 (sequence 2)
Language
German
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660 Im deutschen Reich. oder Schlaffheit des Denkens zurückzuführen ist, jo liegt doch kein Grund vor, mit Ueberhebung auf die fremdartige Ausdrucksweise herabzusehen. In den Sprachen der größten Kulturvölker haben tausende von Formen ihre Quelle in ursprünglich „falschen" Angleichungen, und zahlreiche Sätze, durch die wir uns vollkommen verständlich machen und die deshalb ihren Zweck auch ganz erfüllen, würden sich vor dem Richterstuhl des Logikers nicht rechtfertigen lassen. In der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung sorgfältig und umsichtig geführt, soweit man ohne Kenntniß der Texte urtheilen kann. Rur etwas möchte ich erwähnen, wo mich der Verfasser von seiner Ansicht nicht hat überzeugen können. Unter der Bezeichnung „Pleonasmus" wird im § 107 die Erscheinung besprochen, nach der es beißt: Heren Hot er des nit gehert oder sein bin ich a kirschner. G. meint, daß hierbei die Uebersetzung aus dem Hebräischen von Einfluß gewesen sei, in der ebenfalls zur Verstärkung des Verbum finitum der Infinitiv diene. — Dieser Ausdruck erklärt sich wohl viel einfacher aus dem Bestreben des Sprechenden, den Hauptbegriff — oder das, was ihm das Wesentliche erscheint — an die Spitze des Satzes zu stellen; die Beziehung, in der dieser Begriff zu den andern steht, bringt er erst nachträglich zum Ausdruck. Einen Satz, wie „haben hat er nichts", können sehr wohl Leute aussprechen, die von hebräischem Satzbau nicht die gerumste Vorstellung haben. — Ich glaube um so weniger an den Einfluß des Hebräischen, als dort der Infinitiv auch nachgesteüt wird, während in den 10 von G. angeführten jüdisch-deutschen Beispielen auch nicht ein einziger Fall von Nachschung des Infinitivs vorkommt. Ebenso wenig ist, meine ich, an eine Uebersetzung aus dem Hebräischen zu denken bei den auch unter dem Titel „Pleonasmus" besprochenen Wendungen, wie: er hot nischt gewußt, wos es tut sich mit im, oder: sie warft mir, wos es kumt ir nur unter der hant, in kop arein. Ich glaube, daß diese Satzverbindung durchaus auf eigenem Boden, aus dem Bedürfnis des sprechenden Volkes, erwachsen ist: wir finden ja dieselbe Wendung, wo neben dem grammatischen auch ein logisches Subjekt zu unterscheiden ist, im Französischen, z. B. in 11 est arrive des dtrangers, neben dem des etrangers sont arrives gebraucht wird — mit einer Nuance des Sinnes, auf die einzugehen hier nicht der Ort ist. Eine breitere Grundlage wird die Untersuchung der jüdischdeutschen Sprache aber erst bekommen,, wenn die früheren Denkmäler

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