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Im deutschen Reich · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. 647

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-11-01
Page
647 (sequence 3)
Language
German
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Veremsnachrichten. 647 Der Vorsitzende drückte dem Redner in herzlichen Worten den Dank des Vorstandes für das in so frischen Farben dargeftellte ergreifende Lebensbild aus, welches sicher in der Erinnerung der gesummten Zuhörerschaft unverwischlich haften würde. Rach einer kurzen Pause, welche von einer Anzahl der Anwesenden dazu benutzt wurde, ihren Beitritt zu dem Central-Verein zu erklären, gab Herr Justizrath Dr. Fuchs eine Reihe von geschäftlichen Mitheilungen welche lebhaftes Interesse erregten. Dieselben betrafen u. a. das Wachsthum des Vereins, der infolge des dem Mitgliederverzeichniffe für 1902 beigefügten Aufrufs über 500 neue Mitglieder gewonnen habe, und einen Hinweis auf die Absicht, das 10jährige Stiftungsfest des Vereins am 2. Februar 1903 festlich zu begehen. Der Vorsitzende widmete dann mehreren in den verflossenen Monaten dahingeschiedenen Vertrauensmännern und anderen um die Vereinssache verdienten verstorbenen Mitgliedern ehrende Nachrufe und würdigte hierauf die Ansprüche, welche drei dahingeschiedene große christliche Männer: vr. Lieber, Virchow und Zola für aüe Zeit auf die Dankbarkeit aller Juden haben, in tiefempfundener Weise. Im Verlaufe seiner weiteren Mittheilungen berührte der Redner die Thatjache, daß in denselben Räumen, in denen die Versammlung stattfinde, die wackeren Buren-Generäle bejubelt worden seien, die fick» dabei aber in einer fragwürdigen antisemitischen Staffage befunden hätten. Diese auffallende Begleitung laffe sich dadurch erklären, daß die Begleiter den Zweck verfolgten, das Schifflein des Antisemitismus in dem Kielwasser der Volkssympathien für die Buren treiben und mitschleppen zu lasten. Daß nicht nur im englischen Heere, sondern auch in den Kommandos der Buren viele Juden tapfer mitgekämpft hätten, fei kürzlich von dem Burengencral Viljoen öffentlich bezeugt worden. Der Vertreter der TranSoaal.Regicrung, vr. Leyds in Brüssel, habe, nachdem er ans Veranlastung des Central-Vereins Kunde von dem Mißbrauch erhalten hatte, den die Dresdener Antisemiten Glöß und Vewer von einer nur formell höflichen Empfangsanzeige des „Burenbilderbogens" gemacht, sich Herrn Bewer gegenüber schriftlich gegen Die ihm imputierte antisemitische Gesinnungsgenestenschast energisch verwahrt. Von diesem Brief, den die Empfänger weislich verschwiegen haben, ist dem Central-Vereine eine Abschrift übermittelt worden. Bedauerlich würde es sein, wenn die völlig unberechtigte antisemitische Vcrwerthung der Burensache dieser auch in finanzieller Weise zum Nachteile gereichen würde. Der Klingelbeutel gehe jetzt auch für die „Staatsbürger-Zeitung" umher, damit dieser die Kosten in der Prozeßsache Bruhn und vr. Bötticher nicht fühlbar werden.

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