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Im deutschen Reich · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. 621

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-11-01
Page
621 (sequence 5)
Language
German
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Nm scharr. 021 bach'schen Unternehmungen ein, wo er Artikel von streng-katholischer Richtung schrieb. Von Trier wegen Mißhelligkciten mit der Leitung des Unternehmens geschieden, kam Erber dann nach Breslau, wo er beim unparteiischen ^Breslauer Generalanzeiger" ein Unterkommen fand. Rach kurzer Frist trat er beider evangelisch-konservativen „Schlesischen Morgenzeitung" als Redacteur ein. Auch hier war seines Bleibens nicht lange. Später bethätigte er sich etliche Monate als Hilfsredaeteur bei den Schottländer'schen belletristischen Zeitschriften, dann hielt er es für angezeigt, Fühlung mit der freisinnigen „Breslauer Morgenzeitung" zu nehmen. Es war im Sommer 1901, als er den Wunsch zu erkennen gab, bei uns als Mitarbeiter einzutrctcn. Auf die Einwendung, das; er doch früher konservativen Neigungen gehuldigt habe, erklärte Erber, daß dies ein für ihn bereits überwundener Standpunkt sei. Seiner Bewerbung wurde nicht Folge gegeben. Nunmehr sucht der vielseitige Herr sich als waschechter Antisemit diejenige Position zu erringen, die ihm bisher bei anderen politischen Richtungen vcrjchlosscn war." Auch andere fragwürdige Gestalten haben nach ähnlichen Irrfahrten im Lager der Antisemiten eine Zuflucht gesucht, dort natürlich auch nicht die Erfüllung ihrer Hoffnungen gefunden und schwanken nun an ihrem jetzigen Platze fortwährend zwischen der konservativen Futterkrippe und der regierungsfeindlichen Fronde hin und ber. Fast jede antisemitische Fraktion zählt solche unsicheren Kantonisten in ihren Reihen, und dies macht es anderen politischen Parteien fast unmöglich oder mindestens wenig räthlich, in diesen Kreisen Bundesgenossen zu suchen. Die „Deutsch - Sozialen Blätter" Liebermanus haben festgestcllt, daß der Abg. Ahlwardt, der jetzt wieder in Neujtettin kandidiert, seit Jahren im Reichstage nur ein bis zwei Mal auf Stunden gesehen worden ist. Der antisemitische Abg. vr. Deckel hat als Vertreter des Kreises Marburg-Kirchhain-Frankenberg zwar im Lande Vorträge für die Zollforderungen des Bundes der Landwirthe gehalten, sich aber vor den Abstimmungen über die Anträge des Bundes im Reichstag auf 8 Tage beurlauben lassen. Der antisemitische Abg. Dr. Vogel fehlte infolge Krankheit. Der sächsische Abg. Gabel von der Zimmermann'schen Richtung enthielt sich der Abstimmung. Abg. Raab, der zur L^ebermann'jchen Fraktion gehört, stimmte dabei nicht mit Liebermann und Müller-Waldeck, sondern, wie die „Deutsch-Sozialen Blätter" wörtlich schreiben, „in ausdrücklichem Einverständnis mit dem Bunde der Landwirthe in seinem Flensburger Wahlkreise, mit Rücksicht auf die dortigen besonderen Derhältniffe, gegen den 7,50 Mk.-Zoll." Von diesem Verhalten der antisemitischen Reichs-

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