Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 620 (sequence 4)
- Language
- German
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Hm deutschen Reich. 62t) noch Rang, weder Rasse noch Religion einen Unterschied vor dem Gesetze machen, dem jeder sich zu fugen hat. Das wird auch dem Grafen Pückler schließlich klar werden, der sich nach einer Mittheilung dee „Niederschlesischen Anzeigers" in seinem Schlosse verbarrikadieren und zuweilen selbst am Tage alle Aus- und Eingänge des Gutshofes verschließen lassen soll. Das genannte Blatt schreibt: „Wir hoffen, daß Graf Pückler, freiwillig oder „gehorchend!", die Thore bald offnen wird, da durch den Gute-Hof der Kommunikationsweg von Klein-Tfchirne nach Brieg fuhrt und unliebsame Verkehrsstörungen unvermeidlich sind. So lange Graf Pückler die Thore geschloffen hält, hat Klein-Tfchirne wohl einen Weg in das Dorf, aber keinen aus demselben." Nicht weniger als vier Pückler - Prozesse sollen am 22. d. M. vor der 9. Strafkammer am Landgericht I Berlin zur Verhandlung gelangen. Der erste Prozeß betrifft die vom Grafen Pückler im November v. I. in den Eoncordia-Sälen zu Berlin gehaltene Versammlnngsrede, in welcher er seine Erlebnisse in Dresden und Berlin zum Besten gab, nachdem er in beiden Städten wegen Aufreizung zum Klassenhaß vcrurlheilt worden war. Bei der Schilderung der beiden Gerichtsverhandlungen soll Graf Pückler von den Berliner Richtern in Ausdrücken gesprochen haben, wie „von den „Kerlen, die vor ihm unter den grünen Tisch kriechen müßten", weshalb eine Anklage wegen Beamtenbeleidigung gegen ihn erhoben wurde. Die zweite Anklage betrifft die durch eine Veröffentlichung in der „Staatsbürger-Zeitung" begangene Beleidigung des Geh. Sanitäts. rathcs Dr. Neu mann in Glogau. In dieser Sache war auch der kürzlich im Konitzcr Prozeß zu 6 Monaten Gefängnis; verurtheilte Verleger Wilhelm Bruhn mitangcklagt. Eine dritte Anllage betrifft wieder eine Versammlnngsrede des Grafen, in der Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten erblickt wird. Diesem Verfahren haben sich mehrere jüdische Personen als Nebenkläger angcschlossen. Der vierte Prozeß hat die Veröffentlichung dieser Rede in Form eines Flugblatts zum Gegenstände. Seit Herr Bruhn in dem Verkehr mit dem Grafen Pückler ein Haar gefunden und sich nach andern Zugkräften umgesehen hat, wandte der Burgherr von Klein-Tschirne seine Gunst dem Redactcur des Grüneberger Antisemiten - Blättchens zu, dem ehemaligen Postbeamten Felix Erber, der fast noch mehr Wandlungen als Wilhelm Bruhn durchgemacht hat, wenn nachstehender Bericht der „Breslauer Morgenzeitung" vollständig zutreffend ist: Nachdem Erber wegen Differenzen mit seinem Vorgesetzten Direktor (in Poln.-Lissa) aus dem Dienst geschieden war, ging er nach Tner und trat bu den Das-