Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- Professor H. Steinthal
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 614 (sequence 11)
- Language
- German
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614 Im deutschen Reich. reden bedeutet uns ehrlich, ungekünstelt, wahr und warm reden." „Das heimische Wort ist der Uebeifluß des Herzens, also wahr." (Gesammelte kleine Schriften I S. 103, 105, 10!, 104.) Als deutscher Patriot ruft er den deutschen Juden zu: „Wir sind Deutsche und wollen deutsch sein. Sollen wir uns nun (deshalb) lossagen vom jüdischen Bewußtsein? Wer da glaubt, es Lhun zu tonnen, zu dürfen, der mag es thun. Ich thue es nicht und rathe nicht dazu." (Ällg. Ztg. d. I. 1896 S. 160). „Eignen wir uns alle germanischen Tugenden an und halten wir unsere altjüdischen fest!" tDaselbst 1893 S. 2.) „Judenthum ist Humanität; und weil diese sich mit jeder Nationalität verträgt, wenn sie von der Nation ernstlich erstrebt wird, so verträgt sich auch natürlich Judenthum mit jeder humanen Nationalität." Nirgends ist aber die Humanität so tief erkannt worden, wie von den Denkern deutscher Nationen. Darum haben die deutschen Juden besonderen Grund, der Vorsehung zu danken, daß sie uns als jüdische Deutsche hat geboren werden lassen." (Daselbst 1892 S. 626.) ,,So wie Philo Hellene war, so wie Gabirol Araber war: so wollen wir Deutsche sein, wie Mendelssohn es war und mancher andere Jude." (r?af. S. 627.) „Denn es ist unmöglich, daß ihr nicht wüßtet, wer Gabriel Nießer war, und wer Veit und Kojch und Johann Jacobv, und wer Berthold Auerbach war. Diese alle waren Juden und dienten dem Volk, unter dem sie ihre Heimath hatten." (Das. S. 626.) „So wünschenswerth . . dem Staatsmanne Einheit der Religion erscheinen mag: es wäre ein verderblicher Jrrthum, darunter die Gleichheit der Confession zu verstehen ... Es ist für die Einheit des Nationalgeistes völlig gleichgültig, ob der Eine deutsch zu Gott betet, der Andre lateinisch, der Dritte französisch, der Vierte griechisch, der Fünfte hebräisch . . . völlig gleichgültig ist jede religiöse Differenz und auch, ob der Eine überhaupt an Gott glaubt, der Andere aber nicht, . . . sondern lediglich von der Einheit der Bildung in allen Personen, die sich Mitbürger desselben Staates, Söhne desselben Volkes nennen, hängt die Einheit des Nationalgeistes ab, also von der gleichartigen Beseelung der ganzen Gesellschaft, davon, daß ein Geist alle Schichten des Volkes durchdringt (o. h. dasselbe Gefühl der Pflicht, dasselbe Bewußtsein von Recht, derselbe Sinn für das Wahre, dasselbe Streben nach dem Guten)." (Ethik S. 256.) „Für die Ethik ist die Stellung des Staates zur Religion durchaus klar. Der Staat ist der Rechrsverein, und das Recht ist so religionslos wie die Physik. Jede Religionsgemeinde, welche sich bileet, welche ihr Bekenntniß offen ausspricht, und zwar ein Bekenntnitz, danichts