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Im deutschen Reich · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. 613

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
Professor H. Steinthal
Date
1902-11-01
Page
613 (sequence 10)
Language
German
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Professor H. Steinthal. 613 eine Fülle treffender psychologischer Beobachtungen und feinsinniger ästhetischer Bemerkungen über das Bibelwort. Aber mehr als das ästhetische ist es das ethische Moment, welches ihn zum Lobredner der Bibel macht. Er liebt sein Judenthnm, welches der Menschheit die Lehre von dem einen Gott und dadurch den Gedanken von der Einheit der Menschheit geschenkt hat. „Von den Juden kommt der Glaube an die Wahrheit und die Idee vom Kampfe zwischen Wahrheit und Jrrthum, weil diese beiden sich nic!)t neben einander vertragen. . . . Unser und unserer Väter Gott ist nicht der bessere, sondern der einzige." (Allgemeine Ztg. d. Juden 1896 S. 160.) Dieser Begeisterung für sein Jndenthum ist er immer treu geblieben, und eine seiner letzten Arbeiten ist eine markige Mahnung zur Glaubenstreue (Allg. Ztg. d. I. 1898 S. 604 f.). Seine Liebe zum Judenthum hat er auch praktisch durch sein Eintreten für die Pflege des jüdischen Religionsunterrichtes bethätigt. Er betheiligt sich an den Bestrebungen des deutsch - ioraelitischen Gemeindebundes zur Hebung des jüdischen Religionsunterrichtes und nimmt an der Ausarbeitung eines Normalptancs für den Religionsunterricht theil (1884). Auch später ist er noch wiederholt warm für einen sachgemäßen Religionsunterricht cingetretcn (Allg. Ztg. d. I. 1892 S. 82.). Seine Liebe zum Judenthum beeinträchtigt seine Begeisterung für das Deutschthum durchaus nicht. Steinthal ist ein glühender Verehrer Bicmarck's, den er als eine der größten Schöpfungen deutschen Geistes preist (Ztschr. f. Dölkerpsvchologie VIII, S. 412). Mit warmer Leidcnschafllichkcit kündet er das Hobelied der Liebe zur deutschen Muttersprache: „Alles was die Sprache überhaupt dem Geiste leistet und nach der Organisation des menschlichen Gerstes leisten soll: das gewährt nur die Muttersprache. In ihr haben wir denken und fühlen, Gott und die Eltern kennen gelernt, in ihr und durch sie die wichtigsten Kenntnisse erhalten. Mit ihr ist unser Geist zur Einheit verwaisen; und darum ist uns zu Mute, als wäre an ihren Laut alles Schöne, Wahre und Gute geknüpft." „Die Liebe zur Muttersprache beruht also garnicht auf gewissen Vortrefflichkeiteri derselben. Wir lieben sie ohne Rücksicht auf ihre Tugenden und Mängel, eben nur, weil es unsere Muttersprache ist, wie wir unsere Eltern lieben ohne jeden anderen Grund, als weil es unsere Eltern sind, wie wir unsere Heimath lieben, nicht wegen der Schönheit der Landschaft oder der Fruchtbarkeit." „Wer in Paris, in London usw. war, wird sich erinnern, wie ihm zu Muthe war, als ihm aus dem Geräusche der Boulevards deutscher Klang an'ö Ohr schlug. Deutsch

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