Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 588 (sequence 3)
- Language
- German
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588 Im deutschen Reich. thums bewährte. Während man aber den Polen, Dänen und Elsaß- Lothringern, wenn sie sich nur von den Protestlern trennen, deutsche Gesinnung zuerkenne, sprecheman sie den deutschen Juden vielfach ab, trotzdem diese beständig große Opfer für sie bringen. Der Redner streifte dann die rumänische Judenfrage, mahnte hierauf zum festen Zusammenhalten der deutschen Juden, zur Selbstzucht und zum Selbstgefühl. Werde auf die Taufe eine Prämie gesetzt, so könne dies nur dem Staate, nicht dem Judenthum schaden, denn dieses verliere nichts an charakterlosen Abtrünnigen, der Staat aber gewinne nichts an solchen um den Preis ihrer religiösen Ueberzeugung Beförderten. Unter lebhaftem Beifall schloß der Redner mit den Worten: Treu dem Glauben, treu dem Vaterlande sei der Kampf geführt für Recht und Ehre! — An der weiteren sehr interessanten Debatte betheiligten sich die Herren Caspar Hartmann, Slotowsky, Adolph Cohn und Israel Last. Auf eine Anfrage des Letzteren, ob es empfehlenswerth sei, antisemitische Versammlungen zu besuchen und dort zur Abwehr das Wort zu ergreifen, erwiderte Herr I)r. Horwitz, daß das Verhalten sich immer nach den örtlichen Verhältnissen richten müsse. Im Allgemeinen empfehle es sich, den antisemitischen Versammlungen fern zu bleiben, in welchen Gegenredner häufig niedergeschrieen würden. Wenn dies auch nicht geschehe, gewännen die Versammlungen mindestens durch Widerlegungen der antisemitischen Redner für sensationslüsterne Besucher ein erhöhtes Interesse, während die bloße Wiederholung der Schimpfereien dem großen Publikum auf die Dauer langweilig werde. In vorgerückter Stunde richtete der Vorsitzende, Herr Dr. Mojes, noch einen lebhaften Appell an die Anwesenden, für die gute Sache des Central-Vereins zu wirken. Wer dafür werbe, fördere auch die gute Sache des Judenthums. Hierauf wurde die Versammlung, in der wieder dem Verein eine Anzahl neuer Mitglieder zugcführt wurde, in üblicher Weise geschloffen. Dem an alle Vereins-Mitglieder versandten Mitglieder- Verzeichniß für das Jahr 1902 war ein Aufruf bcigefügt, in welchem jedes einzelne Mitglied aufgefordert wurde durch Werbung von mindestens zwei neuen Mitgliedern den Central-Verein seinem Ziele näher zu bringen, als Vertretung aller, deutschen Juden den Kampf für die Rechte derselben zu führen. Dieser Appell ist nicht ungehört verhallt; in der seitdem verflossenen kurzen Zeit sind dem Vereine bereits 331 neue Mitglieder aus allen Theilen Deutschlands, (in Berlin allein 108) zugeführt worden und es steht zu hoffen, daß dieser erfreuliche Eifer für unsere Sache nicht wieder erlahmen, sondern uns noch zur weiteren Vergrößerung der Mitgliedcrzahl vor-