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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 587

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-10-01
Page
587 (sequence 2)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 587 kam auch für die Inden eine bessere Zeit, in der ihr Selbstgefühl wieder rege wurde, das in Gabriel Rießer seinen stärksten Ausdruck fand. Sein Weckruf an die deutschen Patrioten jüdischen Glaudens fand mächtigen Widerhall, und null gestaltete sich der Kampf der Selbsterhaltung mehr und mehr zur gleichzeitigen Vertheidigung der höchsten Kulturerrungenschaften des Vaterlandes. Dieser Kampf durfte und darf von Juden nur mit den friedlichen Waffen der Intelligenz geführt werden, im edlen Wetteifer mit Allen, die das Vaterland lieben, vertheidigen und durch Steigerung der Kultur zu Ehre und Ansehen bringen wollen. Dem deutschen Vaterlande gebe der Jude Herz und Hand, nur opfere er nicht der Gesamtheit seine religiöse Ueberzeugung; denn diese war im Kampfe der Selbsterhaltung sein Palladium; sie macht ihn zum guten Bürger, denn sie lehrt.ihn wahre Treue. Die Angriffe der Gegner dürfen die Juden weder schrecken noch irren, die Bekehrungsverjuchc sie nicht abtrünnig, die Irrlehren judenfeindlicher Philosophen nicht zweifelhaft an dem Werthe der eigenen Sache machen. Im Bewußtsein der lautern Moral des Judenthums müssen sie für die Selbsterhaltung fortkämpfen mit Wort und Feder, gestärkt durch die Hoffnung auf eine bessere Zeit, in welcher das Licht der Aufklärung alle Verurtheile verbannen wird. Durch diese Zuversicht werde und müsse schließlich der Kampf der Selbsterhaltung einen glücklichen Ansgang nehmen. — Reicher Beifall belohnte diese Ausführungen; für diese sprach auch noch der Vorsitzende, Herr Or. Moses dem Vortragenden den Dank der Versammlung aus, worauf die Debatte eröffnet wurde. Zunächst ergriff der von der Versammlung lebhaft begrüßte Vorsitzende des Vorstands, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz das Wort und betonte, daß der Kampf um die Selbsterhaltung nur mit Erfolg geführt werden könne, wenn sich um die Führer im Kampfe ein großes Heer von treuen Anhängern schaare. Deshalb sei es erfreulich, daß im Eentral-Vereine bereits eine solche große Schaar vorhanden sei, und die in freiheitlichen Zeiten eingeschlummerte jüdische Minderheit der deutschen Bevölkerung zu frischer Thätigkeit mehr und mehr sich aufraffe. Für den Vorstand sei es eine besondere Freude, daß die Gruppe X. und NO., welche ihn stets so rührig unterstützt habe, auch in diesem Herbst wieder thatkraftig zuerst auf dem Plane erschienen sei. Nun gelte es zu beweisen, daß wir nicht nur treue Juden, sondern auch gute Deutsche seien, vollbewußt, daß unser Stamm früher als viele andere Stämme auf deutschem Boden eine Heimath fand, daß er die deutsche Sprache hegte und pflegte, als andere Deutsche dieselbe vernachlässigten, daß er auch unter nichtdeutjchcn Nationalitäten sich als Pionier des Deutsch-

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