Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 586 (sequence 1)
- Language
- German
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f>86 Im deutsches Reich. Nereinsnachrichten. das Sprüchwort „Gut begonnen, heißt halb gewonnen!" für die Vereinsthätigkeit der kommenden Monate Geltung behält, haben wir Grund, den Verlauf der am 25. September d. Js. im Saale der Brauerei „Pfefferberg", Berlin, Schönhauser Allee 176, abgehaltenen Versammlung der im N. und NO. wohnenden Mitglieder des Central-Vereins als einen vielversprechenden Anfang zu betrachten. Wieder war es diese arbeitsfrendigste aller Berliner Gruppen, welche unter Theilnahme vieler im Centrum Berlins wohnenden Vereinsmitglieder eine überaus zahlreich besuchte Versammlung zu Stande brachte, die reich an Anregungen war, welche den Besuchern neue Begeisterung für die Vereinszwecke einflößle. Nach einer herzlichen Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden der Gruppe, Herrn Dr. Julius Moses, erhielt Herr Rabbiner Dr. Ludwig Pick das Wort zu seinem Vorträge über „den Kampf der Selbsterhaltung". In schwungvoller bilderreicher Rede schilderte der Vortragende, wie im Alterthum alles Schöne und Große, was Hellas und Rom geleistet und errungen, durch die echte Sittlichkeit, die Vertiefung des Gefühls und die Genialität des Herzens, welche den Juden durch ihre Religion zu eigen geworden, in den Schatten gestellt wurde. Ihre Feinfühligkeit machte sie zu Kritikern ihrer andersempfindenden Zeitgenossen; die Angriffe derselben stählten ihre Kraft zum Kampf für Wahrheit und Recht. Das Bewußtsein höchster Menschenwürde aber verlieh ihnen jene zähe Ausdauer, die sie selbst unter den größten Drangsalen, welche sie im Mittelalter zu erdulden hatten, aufrecht hielt. Wohl drückte die Art, in der man sie zur Zeit der Kammerknechtschaft wie eine Waare verhandelte, Jahrhunderte hindurch schwer auf ihr Selbstgefühl, aber das Gottvertrauen und die Hoffnung auf eine lichtvolle Zukunft ließen sie den Kampf um die Selbsterhaltung nie ganz aufgeben. Mit dem Völkerfrühling