Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Berlin / Kanzow
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 579 (sequence 11)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 579 Wie die „Israelitische Wochenschrift" berichtet, hat die Staatsanwaltschaft die Revision, welche sie gegen die Freisprechung des Redakteurs M. A. Klausner von der Beschuldigung der Antisemitenbeleidigung eingelegt hatte, wieder zurückgezogen. — Dasselbe Blatt knüpft an das Eingehen der „(Charlottenburger Bürgerzeitung" die Bemerkung: „Der Antisemitismus hört allmählich auf, seinen Mann zu nähren." In dem kürzlich erschienenen Werteljahrshest zur Statistik des Deutschen Reichs veröffentlicht das Statistische Amt weitere Ergebnisse der Volkszählung von 1890. Darunter befinden sich über das Religionsbekenntnis nachstehende Angaben. Es wurden im Deutschen Reiche 1*90 gezählt 05 Millionen (62%) Evangelische, 20 Millionen (06%) Katholische, 204,ooo andere Christen. 5*6 91* (1 %) Israeliten, 995 Bekenner sonstiger nicht-christlicher Religionen, 10 000 Personen anderen Bekenntnisses und 60O0 Personen ohne Angabe des Religionsbekenntnisses. Gegenüber 189o haben sich die Evangelischen um 4,2 Millionen oder 10,6%, die Katholiken um 2,7 Millionen oder 15 %„ die Inden um 19000 oder nur 0,4 % vermehrt. Diese geringfügige Vermehrung veranlasst das „Berl. Tageblatt" zu der Bemerkung: „Wie ftefit es also um die vielbejammerte Verjudung Deutschlands? Aber es ist Tausend gegen Eins zu wetten, daß selbst vor solchen Thalsachen die Hetzer ihre Fahnen nicht senken werden." In der Berliner „Neuen Deutschen Rundschau" veröffentlicht Richard Reuter unter dein Titel „Vormärzliche Briefe" Niederschriften einer Münchener Dame, deren Vater vor mehr als 60 Jahren Oberbürgermeister von Magdeburg und zugleich königlicher Polizeidirektor dieser Stadt, sowie Landrath des Magdeburger Landkreises war, letztere Aemter aber 1*44 wegen Geschäftsüberhäufuug freiwillig niederlegte. Nach dem Tode dieses Oberbürgermeisters wurde in Magdeburg beschlossen, ihm ein Denkmal in Form eines lebensgroßen Standbildes zu errichten, welches am 1. Juli 1857 feierlich enthüllt wurde. Von diesem Muster eines altpreußischen Beamten berichtet die Tochter in den erwähnten Briefen: „Mein Vater würde den, sehr Zur Unehre der Zeit, im Schwange gehenden Antisemitismus, den nationalen wie den religiösen, weit von sich gewiesen haben. Obwohl sich kaum ein schneidenderer Gegensatz vorstellen läßt, als der zwischen meines Vaters Denk- und Handlungsweise und dem, was man „jüdisches Wesen" zu nennen pflegt — sehr zu Unrecht übrigens, weil die charakteristischen Züge dieses „jüdischen Wesens" nirgends krasser und widerlicher zur Erscheinung kommen.