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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 578

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Berlin / Kanzow
Date
1902-10-01
Page
578 (sequence 10)
Language
German
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1)78 Deutfcbcn Reich geantwortet: „Ihre freundliche Zuschrift, in der sie uns unter anderm schreiben: „Durch den Konitzer Prozeß drängt es mich, wieder in der alten lieben Zeitung zu lesen, auf die ich, durch widrige Verhältnisse genöthigt, seit einigen Jahren verzichten mußte. . . . Mein leider zu früh verstorbener Mann, -Photograph C. in Spandau, war ein treuer Anhänger Ihrer Gesinnung . . hat uns sehr gefreut. Wir können Ihnen mitteilen, daß ähnliche Briefe uns in größerer Zahl in der letzten Zeit zugegangen sind. Ein Lichtblick in trüben Tagen. - Treudeutschen Gruß!" — Wir bitten auch zu grüßen! Vor dem Schöffengerichte zu Berlin kam am 24. September eine Privatklage des Herausgebers der „Staatsb.-Ztg.", Wilhelm Bruhn gegen den Journalisten Rauch zur Verhandlung. Letzterer batte im Mai d. I. eine Notiz veröffentlicht, wonach wahrscheinlich eine alte Uhr des in Könitz ermordeten Gymnasiasten Winter zum Vorschein gekommen sei. Dies veranlaßte die „Staatsb.-Ztg." zu verletzenden Bemerkungen, in denen Rauch, der „Mitarbeiter des im Zuchthause sitzenden Schiller" genannt und verdächtigt wurde, durch diese Rotiz die Behörden auf eine falsche Fährte zu lenken. Rauch schrieb darauf an Bruhn eine Postkarte und fragte darin „wie lange wohl schon der Verfasser jener Bemerkungen verrückt sei." Bruhn, der sich als Verfasser bekannte, fühlte sich beleidigt und verklagte Rauch: letzterer strengte gegen den Verleger der „Staatsb.- Zeitnng" Widerklage an. In dem Termin, in welchen Bruhn durch Rechtsanwalt Ullrich und Rauch durch Rechtsanwalt vr. Löwenthal vcrtheidigt wurde, fällte das Gericht gegen beide ein freisprechendes Urtheil, da Rauch durch die Artikel der „Staatsb.- Zeitung" in Bezug auf seine Person gereizt und die Beleidigung auf der Stelle erwidert habe. Gelegentlich der Entlassung der Reservisten in die Heimath sollen nach der „Staatsb.-Ztg." verschiedene Truppenchefs die Leute ermahnt haben, „beim Einkauf der Eivilgarderobc die jüdischen Geschäfte zu meiden, da sie dort übervortheilt werden könnten. Auch im bevorstehenden Leben sollten sie eingedenk sein, daß die christlichen Kaufleute die Säulen des nationalen Volkswohlstandes seien." Die Ansprache Hütte mit folgenden Worten geschlossen: „Thut Euer Theil, daß die christliche Geschäftswelt den Kampf um's Dasein mit Ehren besteht und im Stande ist, der jüdischen Konkurrenz die Stirn zu bieten!" Bon freisinnigen Blättern wird'diese Mittheilung, weil die „Staatsb.-Ztg." weder die nach ihrer Ansicht hochverdienten Truppenchefs noch den Ort, wo diese Aeußerungen gefallen sein sollen, nennt, als eine „dreiste Erfindung" bezeichnet.

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