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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 580

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Berlin / Kanzow
Date
1902-10-01
Page
580 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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580 Im deutschen Reich. als bei den Wortführern und Haupthetzern des Antisemitismus — so würde er es noch mehr vielleicht für eine sittliche, wie für eine intellektuelle Verirrung gehalten haben, den Werth eines Menschen nicht nach dein, wie er ist, sondern nach den Zufälligkeiten seiner Rasse oder Religion zu beurtheilen, und etwa gar auf diese Weise sein „Christenthum" zeigen zu wollen. Er bezeichnete oft drei Magdeburger Juden als wahre Musterbürger, auf die die Stadt stolz sein könne. In Teplitz lernte er einen Herrn semitischen Stammes einen ungetauften, kennen und zugleich achten und schätzen, und es entspannen sich alsbald die engsten Beziehungen. So oft dieser Herr — häufig genug — nach Magdeburg kam, war er ein gern gesehener Gast bei uns; als ich später in München verheirathet lebte, habe ich mich gefreut, ihn und seine Frau in meinem Hause zu bewillkommnen. Ebenso habe ich einmal als junges Mädchen zusammen mit meiner Tante, seiner Einladung folgend, 4 Wochen in Berlin in seinem Hause zugebracht. Daß er Jude sei, kam, als mir mein Vater seine Erlaubnis gab, gar nicht in Betracht, wurde nicht einmal erwähnt." < Breslau, 1. Oktober. Der „Breslauer Ztg." wird aus Czenstochau über die dortige» Krawalle noch Folgendes gemeldet: „Die mißhandelten und ausgeplünderten Inden haben die ihnen vom ^eneralgouverneur aus den Kollekten-Geldern, der dort im Bau begriffenen katholischen Kirche angebotcne Entschädigung abgelchnt, da sie aus diesem Fonds sich nicht bezahlt machen wollen. Der Ezenstochauer Rabbiner verhängte über den Bierbrauer Schweder, der beschuldigt wird, den Pöbel zu den Ausschreitungen mit angestiftet zu haben, den Boykott. Darauf hat sich der Bierbrauer bereit erklärt, 200 000 Rubel zur theilweisen Schadloshaltung der Geschädigten herzugeben; der Rabbiner hat aber den Boykott nicht zurückgezogen. Auf Anweisung des noch immer in Czenstochau weilenden Gouverneurs aus Pretikau müssen die geschädigten jüdischen Kaufleute buchmäßig Nachweisen, welchen Schaden sie erlitten haben. Die wegen Anstiftung verhafteten katholischen Geistlichen sind bis auf zwei bereits aus der Haft entlassen. Ein Telegraphenbeamter, der bei Beginn des Aufruhrs die seitens der Bedrohten nach auswärts üufgegebenen Depeschen nicht sogleich weiter beförderte, wurde verhaftet. Sechs Waggons Verhaftete sind in einem Eisenbahnzuge in die Citadelle nach Warschau geschafft worden. 155 Geschäfte sind total ruiniert. Der bis jetzt ermittelte Schaden beläuft sich auf 2 Millionen Rubel." # Glogau, 15.Oktober. HerrBankierJmmanuel Landsberger beging am 21. September das 25 jährige.Jubiläum als Vorsitzender

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