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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 577

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Berlin / Kanzow
Date
1902-10-01
Page
577 (sequence 9)
Language
German
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Korrespondenzen. 577 Bürgermeister Deditius allein betroffen ist, je 3 Monate, in den Fällen der Veschuldigung des Mordes gegen Lewy mit Rücksicht aus die schwere Beschuldigung und auf die kolossale Tragweite je 3 Monate, ebenso viel im Falle Großmann und im Falle 24 Casparv und Lewy und ebenso im Falle 25. Was den Angeklagten Bruhn betrifft, so muß besonders hervorgehoben werden, daß, wenn auch das Gericht als wahr unterstellt habe, daß die übrigen Artikel von ihm nicht verfaßt und auch nicht veranlaßt sind, daß er sogar einen gewissen beruhigenden Einfluß auf seine Korrespondenten auszuüben bemüht gewesen ist, doch berücksichtigt werden muß, daß Bruhn für die Tendenz der „Staatsbürger- Leitung" verantwortlich ist. Er ist als Verleger derjenige der auf die Tendenz der Zeitung den weitgehendsten Einfluß hat, und in diesem Falle hat er diesen Einfluß gehabt. Er muß mit der Tendenz der Zeitung einverstanden gewesen sein; seine Artikel beweisen das. Aus allen diesen Gründen hat der Gerichtshof den Angeklagten Or. Bötticher zu! Jahr Gefängniß, den Angeklagten Bruhn zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt, die Unbrauchbarmachung der Platten und Formen verfügt und den Beleidigten die Publikationsbefugniß in der „Staatsbürger- Zeitung", der „Konitzer Zeitung" und im Graudenzer „Geselligen" zugesprochen. Außerdem sind den Angeklagten die Kosten des Verfahrens auferlegt. — Die Intimen des Herrn Bruhn und Bötticher, die Abgeordneten Werner und Bindewald, fordern bereits ihre Parteigenossen auf, diesen Thei! der Strafe mitzutragen und dafür Beiträge zu leisten. Dies ermuthigt die „Staatsbürger Ztg." dazu, auch weiter von einem Blutmord zu sprechen und zu geloben, ihrer Fahne treu zu bleiben. „Sie lebt freilich davon" bemerkt die „Magdeburger Ztg." zu diesem Gelöbniß. Am 12. d. M. berichtete das „Kl. Journal": „Würdig der „Staatsbürger - Zeitung". „Der Nitualmord in Konih", mit diesem Rufe schrieen gestern Abend vor der Philharmonie einige Verkäufer die „Staatsbürger - Zeitung" aus, gerade um die Stunde, als eine Anzahl unserer jüdischen Mitbürger nach beendetem Gottesdienste des „Versöhnungstages" die Philharmonie verließ. Auf das Unpassende dieses Benehmens aufmerksam gemacht, erwiderten die Burschen, daß sie gerade deswegen die Anweisung bekommen hätten, in diesem Augenblicke die Ausgabe des antisemitischen Organs arizupreiseN.* — Wie zu erwarten war, beutet das Blatt Bruhns selbst feine Verurtheilung zu geschäftlichen Zwecken aus. Im Briefkasten der „Staatsbürger Zeitung" wird einer Frau Luise C., Friedrichstraße

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