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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 563

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-10-01
Page
563 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 563 wilden Unverstand verwarf und den Christlich.Sozialen empfahl, bei den Reichstagswahlen nur die wenigen Nationalliberalm zu unterstützen, die wie v. Heyl, Rimpau u. a. m. nicht mit dem „religiösen Liberalismus" verbunden seien, den sich Stöcker dabei rühmte, in Berlin aus dem Sattel gehoben zu haben. Seine weiteren Erklärungen, daß die Christlich.Sozialen mit den Antisemiten manigfache Berührungen hätten und sie bei den Wahlen nicht bekämpfen würden, erscheinen um so glaubhafter, als seine übrigen Ausführungen Wendungen enthielten, die sich blutwenig von den in einer raffeantisemitischen Wahlrede üblichen unterschieden. Das Publikum, welches sich Zu antisemitischen Versammlungen einzufinden pflegt, glaubt nicht auf seine Rechnung zu kommen, wenn der Redner nicht durch drastische Ansprachen der Radaulust fröhnt. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob die Hoffnung der „Deutsch-Sozialen Blätter", daß nun „der die antisemitische Sache sch wer schädigende Pückler-Rummel endlich ein Ende haben werde", in Erfüllung gehen wird. Das genannte Blatt meint, daß nach den Erklärungen des Eisenacher Parteitags Herr Bruhn als Mitglied des Parteivorstands „kaum noch in der Lage sei, weitere Versammlungen mit dem Grafen Pückler zu veranstalten und ihm die „Staatsbürger-Zeitung" zur Verbreitung seiner wunderlichen Reden zur Verfügung zu stellen". Thatsächlich hat Herr Bruhn bereits auf das Vergnügen verzichtet, dem vom Grafen Pückler am 21. September abermals aus seiner Feldmark in Klein-Tschirne veranstalteten solennen Reiterfest beizuwohnen und in dem antisemitischen Verleger der „Grünberger Volkszeitung", der auf seiner Rosinante sich den Pückler-Rittern anjchloß, einen ebenbürtigen Ersatzmann erhalten. Der Wiedergabe einer schönen Stelle aus der dabei von dem „vornehmen" Grafen gehaltenen Rede, die sich gegen „die gemeinen, krummbeinigen scheußlichen Judenbengel" richtete, glaubte sich der Verleger der „Staatsbg. Ztg." aber doch nicht entziehen zu dürfen. Zur Fortsetzung des einträglichen Volksversammlungs-Geschäfts war inzwischen als Stellvertreter des Grafen Pückler der ehemalige „Rektor aller Deutschen" berufen worden, dessen Wiederauftreten in Berlin am 24. September viele Neugierigen nach Kellers Festsälen lockte. Ahlwardt erklärte in seinem Vorträge, daß er zur Zeit des Judenflintenprozeffes und seines Kampfes wider die Börse von seinen besten Freunden verkannt und verlassen worden sei. Dann habe ihn der schwere Schlag getroffen, daß fein treuester Mitkämpfer, sein Schwiegersohn Gastwirth Bodeck. irrsinnig geworden sei. Da habe er sich zurückgezogen. Er sei viel herumgekommen, und überall habe man ihn gebeten, doch ja nicht die Fahne des Antisemitismus zu verlassen. Seit den letzten Bankkrachs.

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