Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 562 (sequence 7)
- Language
- German
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562 Fm deutschen Reich. Majestät die Kaiserin Se. Majestät den Kaiser mit Zeitungsausschnitten versorge, die dem allerhöchsten Herrn Veranlassung geben, sich über die Agrarier zu erregen. Und nicht viel besser ist die Behauptung des gleichen Blattes, daß Seine Majestät in besondere Erregung über den Artikel des „Sächsischen Vaterlandes" gerathen sei, worin allerdings in sehr drastischer Form die Zukunftszustände ausgemalt wurden, wenn erst einmal unser Bauernstand von der Scholle verdrängt sein wird". Daß nicht die Industrie, sondern die Latifundien-Wirthschaft diese Verdrängung verschuldet, wird freilich der agrarisch.antisemitische Abg. Liebermann von Sonnenberg nicht zugeben. Um so bemerkenswerter ist es, daß der antisemitische „Manager" des Grasen Pückler, W.Bruhn, auf dem Eisenacher Parteitag vor Wahlkompromissen mit dem „Bunde der Landwirthe" warnte und dabei Folgendes als seine Meinung kundgab: „Die Masse wird abgestoßen durch den junkerlichen Charakter der Leitung des Bundes der Landwirthe, jenen Rittmeisterismus, der durchaus unzuverlässig in letzter Stunde immer und immer wieder jede Abmachung bricht zu Gunsten seiner ersten Liebe, d. h. zu den Konservativen und zu dem vornehmen Grundbesitzerthum". Dazu bemerkt die „Breslauer Morgenzeitung": „Herr Bruhn hatte mit seinem Vorschlag kein Glück, es wurde vielmehr beschloffen, Hand in Hand mit den Konservativen und dem Landbunde zu gehen und für die Brotvertheuerung im agrarischen Sinne zu stimmen — das nennt man im antisemitischen Jargon „Mittelstands-Politik" — aber daß der geschäftsleitende und geschäftsmachende Compagnon des Tschirner Rau-, Wild- und Dreschgrafen mit seiner Kennzeichnung der conservativen Politik als „Rittmeisterismus" den Nagel durchaus auf den Kopf getroffen hat, das unterliegt gar keinem Zweifel". Die Verlegenheiten, welche der unbekannte Verfasser deS agrarischen Drohartikels „Krachende Throne" den Konservativen bereitet hat, sind deshalb ziemlich ernst. In der „Nationalliberalen Korrespondenz" ist dem Reichstagsabgeordneten vr. Oertel auf den Kopf zugesagt worden, daß er diesen Verfasser kenne und daß die Spur ersichtlich von Berlin nach seinem Freiberger Wahlkreise weise. Eine Freiberger Zuschrift im nationalliberalen „Leipziger Tageblatt" enthält ganz ähnliche Andeutungen und die Bemerkung, daß nach solchen Vorgängen für die kommende Reichstagswahl ein Zusammengehen der konservativen und der liberalen Partei in dem Wahlkreise Oertels beinahe ausgeschlossen sei. Aehnlickes ist aber auch in andern Wahlkreisen zu erwarten, da der frühere Hofprediger vr. Stöcker in der Rede, mit welcher er dm diesjährigen 6. christlichen Parteitag einleitete, der nationalliberalen Presse unglaubliche Gehässigkeit und