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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 558

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-10-01
Page
558 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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558 Im deutschen Reich. laß gewährt wird. Der bisherige französische Botschafter in Petersburg, Marquis de Montebello, war nicht der Mann dazu, der russischen Regierung über ihr Verhalten den Juden gegenüber Vorstellungen zu machen. Dies erwartet die Pariser Zeitschrift „Les Arcliives israelites“ aber von dem neuen Botschafter Bompard, einem gesinnungstüchtigen Republikaner. Dieses Blatt schreibt: „Es ist sehr zu bedauern, daß Rußland seinen jüdischen Staatsbürgern gegenüber an einer veralteten, drakonischen Gesetzgebung festhält. Aber es ist durchaus unzulässig und unvereinbar mit der Ehre Frankreichs, daß die Wirkungen dieser Gesetzgebung auf französische Staatsbürger israelitischer Konfession ausgedehnt werden. Rußland steht es zwar frei, feine jüdischen Untertanen nach den Grundsätzen einer grausamen Ungleichheit zu behandeln; denn dies gehört zum Gebiet seiner inneren Politik. Frankreich soll aber der russischen Regierung im Wege freundschaftlicher Vorstellungen klar machen, daß konfessionelle Rücksichten von jenen internationalen geschäftlichen Beziehungen streng ausgeschlossen sein sollen, die das russische Reich mit einer Nation anknüpfen will, wo konfessionelle Unterschiede Gott fei Dank nicht bekannt sind." Frankreich hat für die russische Bundesgenoffenschaft unzählige Opfer gebracht, ohne dafür entsprechende Gegenleistungen zu empfangen; es ist also in der Lage, den gewünschten Vorstellungen den nöthigen Nachdruck zu geben. Durch die ihren jüdischen Unterthanen aufgelegten Bedrückungen macht sich die russische Regierung zwar nicht wie die rumänische eines Vertragsbruches schuldig, aber Rumänien könnte sich immerhin bei ernsten Vorstellungen der Vertragsmächte darauf berufen, daß Amerika in Folge der weit zahlreicheren Zuwanderung russischer Flüchtlinge eher Grund gehabt hätte, im Namen der Menschlichkeit dem Petersburger Kabinet recht empfindliche Wahrheiten zu sagen. Der vermeintliche Rückhalt an Rußland verleiht offenbar den rumänischen Bojaren den Muth, nicht nur jede fremdländische Einmischung in ihre Gesetzgebung zurückzuweisen, sondern die angerufene Menschlichkeit noch mehr als bisher zu verhöhnen. Gleichsam als Antwort auf die amerikanische und englische Note hat die rumänische Regierung alle Behörden ihres Landes angewiesen, den Juden keine Auslandspässe mehr auszufolgen. Auf Grund dieses Befehls wurden die bereits auf dem Wege nach der Grenze befindlichen Juden zurücktransportiert, und wurde den auf dem Bukarester Bahnhof befindlichen zahlreichen jüdischen Auswanderern die Weiterreise verwehrt. Die bisherigen Aeußerungen Deutschlands waren auch nicht dazu angethan, den Uebermuth der Rumänen zu zügeln, die für zarte Mahnungen nicht zugänglich sind. Die in der „Köln. Ztg." gebrachte, unverkennbar offiziöse. Aeußerung

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