Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 553 (sequence 5)
- Language
- German
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Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 553 die an seinem Sarge das Wort ergriffen, rühmten ihn als musterhaftes Vorbild bürgerlicher Tugend und betonten, daß er sich stets habe leiten lasten „von der Liebe zu seiner Vaterstadt, von der Begeisterung für sein engeres Vaterland und von Treue für das gesammte deutsche Vaterland, für Kaiser und Reich bei Ausübung seiner politischen Pflichten." Auch die Centrumsfraktion legte an seinem Sarge einen Kranz nieder als „Ausdruck der Hochachtung und Verehrung für den Verstorbenen." Die „Münchener Neuesten Nachrichten" nannten ihn einen „Deutschen von echtem Schrot und Korn" und sogar das „Vaterland" brachte einen Nachruf, der mit folgenden Worten schließt: „Herr Maison war einer der intelligentesten und fleißigsten Bürger, unermüdlich in Allem, was er zu thun unternommen, von riesiger Arbeitskraft, persönlich ein sehr concilianter, liebenswürdiger und hoch geachteter Mann, der auch selbst die Meinung Anderer achtete und respektierte, und der es durch Energie und eisernen Fleiß und durch eigene Kraft vorwärts und zu Ehren gebracht hat." Schlußwort. Der Blick auf die Bilder, die wir im Vorstehenden von den bayerischen Parlamentariern jüd. Glaubens entworfen haben, ist nicht ein Blick auf die Personen, sondern ein Blick auf die Vergangenheit. Die Betrachtung und Erkenntnis der Vergangenheit aber giebt uns die Maßstäbe an die Hand zur Beurtheilung der Gegenwart. Man braucht kein lauslator temporis acti zu sein, wenn man behauptet, daß die Gegenwart in mancher Beziehung sich zu schämen hat vor der Vergangenheit. Ein Zeichen der Zeit ist cs, daß gegenwärtig im bayer. Landtage kein einziger Vertreter israelitischen Bekenntniffes außer dem Sozialdemokraten Gabriel Loewenstein vorhanden ist, und es ist auch gar keine Hoffnung und Aussicht, daß diese Arbeit über „die bayer. Parlamentarier jüd. Glaubens" in absehbarer Zeit eine Fortsetzung erhalten werde. Daß wir aber keinen Vertreter unserer Rechte und unserer Jnteresten im Landtage mehr nöthig haben, das wird niemand behaupten können, der die Verhandlungen gelesen hat, welche Ende November vorigen Jahres im bayerischen Landtage stattgefunden haben. Da sind Aeußerungen gethan worden, die man sonst nur in gewissen Volksversammlungen zu hören gewohnt war; und Behauptungen sind unwidersprochen geblieben, die von den bayerischen